24.10.2017 16:36
Quelle: schweizerbauer.ch - sda/blu
EU
Glyphosat:EU-Kommission kürzt Frist
Bei der weiteren Zulassung des umstrittenen Unkrautvernichters Glyphosat rudert die EU-Kommission zurück. Bei der Sitzung des massgeblichen Ausschusses am Mittwoch will sie eine Verlängerung von nur noch fünf bis sieben Jahren durchsetzen - statt der bisher geplanten zehn Jahre.

Wie ein Sprecher nach der wöchentlichen Sitzung der Kommission sagte, strebt die Behörde nun in Abstimmung mit den Mitgliedstaaten eine Verlängerung zwischen fünf und sieben Jahren an. Am Mittwoch soll der zuständige Ausschuss der EU-Länder darüber beraten. Ob eine Entscheidung fällt, ist offen. Die jetzige Zulassung läuft Ende des Jahres aus. Glyphosat steht im Verdacht, Krebs auszulösen.

Ziel: breiter Konsens

Vorausgegangen war ein Streit mit dem EU-Parlament. Die Parlamentarier lehnten die zunächst von der EU-Kommission vorgeschlagene Verlängerung um zehn Jahre ab. Stattdessen forderte das Strassburger Parlament ein endgültiges Aus für das Herbizid bis spätestens zum 15. Dezember 2022. Dieser Beschluss ist nicht bindend, zeigt aber eine mögliche Kompromisslinie für die Beratungen der Mitgliedsländer auf. Der Kommissionssprecher sagte, mit der neuen Linie folge man der Risikoeinschätzung des Europaparlaments. Ob die Kommission ebenfalls Auflagen für die Glyphosatnutzung will, liess er offen.

Ziel sei ein möglichst breiter Konsens der Mitgliedsländer in dem zuständigen Expertenausschuss. Eine Mehrheit für oder gegen die weitere Zulassung war dort zuletzt fraglich, unter anderem weil die nur noch amtierende deutsche Bundesregierung keine gemeinsame Position festgelegt hatte. Der Beschluss des Europaparlaments bekam viel Zustimmung von Glyphosat-Kritikern. So nannte der deutsche Bund für Umwelt und Naturschutz die Vorgaben richtungsweisend, auch wenn man sich ein schnelleres Verbot gewünscht hätte. «Glyphosat hat seine gesellschaftliche Akzeptanz verloren», hiess es. Mit der Übergangsfrist soll den Landwirten Zeit zur Entwicklung von Alternativen gegeben werden.

Einsatz umstritten

Das EU-Parlament wollte strengere Auflagen für den Einsatz des Pestizids – etwa ein Verbot der Behandlung kurz vor der Ernte, wie das bereits in Deutschland gilt. Auch auf Spielplätzen und in Parks soll das Unkrautvernichtungsmittel nach dem Willen des Europaparlaments EU-weit verboten werden. Nun ist die EU-Kommission weitgehend auf die Forderungen des Parlaments eingegangen. 

Der Einsatz des Unkrautvernichters ist in Europa hochumstritten: Die Internationale Krebsforschungsagentur IARC stuft die Chemikalie als "wahrscheinlich" krebserregend ein, Aufsichtsbehörden in Deutschland und der EU kamen zu einem anderen Schluss. Glyphosat ist ein sogenanntes Totalherbizid, es wirkt auf alle grünen Pflanzen. Der Wirkstoff blockiert ein Enzym, das Pflanzen zur Herstellung lebenswichtiger Aminosäuren brauchen, das aber auch in Pilzen und Mikroorganismen vorkommt.

850'000 Tonnen weltweit

Glyphosat wird weltweit auf rund 400 Millionen Hektar überwiegend landwirtschaftlich genutzten Flächen eingesetzt, wie das Marktforschungsunternehmen Kleffmann Group berichtete. Zum Vergleich: Die Agrarflächen in der Schweiz umfassen 1,05 Millionen Hektar.

Der vom US-Konzern Monsanto entwickelte Wirkstoff wurde 1974 erstmals zugelassen. Im Jahr 2000 lief das Patent aus, seither werden glyphosathaltige Produkte auch von anderen Herstellern angeboten. Verkauft werden jährlich rund 850'000 Tonnen solcher Mittel, in der Schweiz werden knapp 300 Tonnen eingesetzt.

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