17.10.2017 17:53
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Südeuropa
Grossbrände: Lage entspannt sich
Nach dem Flammeninferno in Portugal und Spanien hat sich die Lage entspannt, auch dank eines Wetterumschwungs mit Regen und kühleren Temperaturen. Sechs der sieben Vermissten wurden lebend gefunden, wie die portugiesische Zivilschutzbehörde mitteilte.

Die Situation sei zunehmend unter Kontrolle, sagte Sprecherin Patrícia Gaspar am Dienstag. Das Land sei aber immer noch so ausgetrocknet, dass in der Nähe von Waldgebieten besondere Vorsicht erforderlich sei.

41 Tote

Die Regierung in Lissabon rief eine dreitägige Staatstrauer für die Opfer der Waldbrände aus, auch in der spanischen Region Galicien rief die Regionalregierung drei Trauertage aus - die EU-Kommission in Brüssel setzte die Flaggen auf Halbmast. Nach jüngsten offiziellen Angaben starben in Portugal mindestens 37 und in der nordwestspanischen Provinz Galicien vier Menschen.

Mindestens 63 Menschen wurden nach Angaben des portugiesischen Zivilschutzes durch die Brände verletzt, 16 von ihnen lebensgefährlich. Auch Feuerwehrleute seien unter den Verletzten. Betroffen von den Waldbränden sind die Regionen Coimbra, Castelo Branco sowie Viseu im Zentrum des Landes und Guarda im Norden. Besonders schlimm war die Lage bei Lousa in der Region Coimbra.

Leicht entzündliche Eukalyptus-Bäume

Erst im Juni waren bei Bränden in der Mitte Portugals mindestens 63 Menschen ums Leben gekommen. Nach einem Bericht vom Donnerstag können Waldbrände in Portugal aus mehreren Gründen eine besonders verheerende Wirkung entfalten. Viele Feuerwehrleute sind nur schlecht ausgebildete Freiwillige und der Zivilschutz ist zu behäbig.

Zudem haben die Bedürfnisse der Papierindustrie zu einem grossflächigen Anbau leicht entzündlicher Eukalyptus-Bäume geführt. Weiter ist der Wetterdienst nicht effizient genug in der Vorhersage von Trockenperioden und plötzlichen Temperaturanstiegen. Hinzu kommt dieses Mal die vermutete Brandstiftung. In Galicien gehen die Behörden in 132 Fällen von Brandstiftung aus. «Das sind nicht 132 Brände, das sind 132 Angriffe», sagte eine Sprecherin der Regionalregierung Galiciens im spanischen Radio.

Oft Absicht

Wegen der grossen Schäden gibt es eine Debatte über die Effizienz der Behörden. Die spanische Landwirtschaftsministerin Isabel García Tejerina verteidigte die Einsatzleitungen in Galicien, Asturien und Castilla y León gegen Vorwürfe: «Wir sind darauf vorbereitet, Brände zu löschen - aber wir sind nicht auf Brandstifter vorbereitet.»

Von den Waldbränden der vergangenen Tage seien 95 Prozent auf menschliche Einwirkung zurückzuführen und die Hälfte sei mit Absicht gelegt worden. Für Brandstifter dürfe es keine Nachsicht geben.

Hilfe von der EU unterwegs

Der für humanitäre Hilfe zuständige EU-Kommissar Christos Stylianides erklärte am Montag, erste EU-Hilfen seien unterwegs in die Region. Demnach sollten auf einen Antrag Portugals italienische Löschflugzeuge in den am schwersten betroffenen Regionen zum Einsatz kommen. Der Generalsekretär der grenzüberschreitenden Regionalorganisation Eixo Atlántico, Xoán Vázquez Mao, sprach sich für ein gemeinsames Vorgehen der spanischen und portugiesischen Behörden aus. Im Kampf gegen die Brände in Nordportugal und Galizien müssten die verfügbaren Ressourcen gebündelt werden.

In Galicien konnten die Feuerwehrleute die Flammen in 22 Gebieten eindämmen; am Dienstag waren noch 23 Brandherde aktiv. An der Universität von Vigo wurde am Dienstag der zum Wochenbeginn eingestellte Unterricht wiederaufgenommen. Die Behörden gaben am Dienstagvormittag Entwarnung und hoben Alarmstufe 2 auf. Demnach drohte Wohngebieten keine Gefahr mehr. Regen in Galicien dämmte die Feuer am Dienstag weiter ein.

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