24.07.2013 11:27
Quelle: schweizerbauer.ch -
Lactalis
Heftiger Knatsch zwischen Milchbauern und Lactalis
In Italien kocht derzeit ein Streit zwischen Milchbauern und dem Verarbeiter Lactalis über Auszahlungspreise und bestehende Vertragsbedingungen hoch.

Der Regionalverband Lombardei des Verbandes der Familienbetriebe (Coldiretti) hatte eine Beschwerde bei der italienischen Kartellbehörde AGCM eingereicht und damit mehrere Branchentreffen in der Region initiiert, davon das jüngste in der vergangenen Woche, die jedoch bisher erfolglos blieben. Letztlich kündigte das Landwirtschaftsministerium in Rom an, sich in die Angelegenheit einzumischen.

Milchpreise fielen unter Produktionskosten

Coldiretti Lombardei hatte seine Klage damit begründet, dass die Verarbeiter Italatte und Parmalat, die inzwischen beide dem französischen Unternehmen Lactalis angehören, ihren Lieferanten Preise zahlten, die deutlich unter den durchschnittlichen Produktionskosten lägen. Das richte sich gegen die Antidumpingregel des Gesetzesdekretes zu Geschäftsbeziehungen in der Nahrungskette.

Landesbauernverbandspräsident Ettore Prandini argumentierte weiter, die Tiere produzierten die Milch täglich, diese müsse jeden Tag gesammelt und bearbeitet werden. Daher seien die Bauern nicht in der Lage, ihre Lieferungen an die Industrie zu stoppen und seien
gezwungen, die einseitig bestimmten Vertragsbedingungen zu akzeptieren.

Zentrum der Milchproduktion

Parmalat und Italatte haben laut Prandini ihren Lieferanten mitgeteilt, 40 Cent je Liter (49 Rp./l) zu zahlen bei durchschnittlichen Produktionskosten von etwa 50 Cent (61,5 Rp.). In der norditalienischen Region Lombardei befinden sich knapp ein Drittel aller Milchkühe Italiens, die zusammen etwa 40% der Milch des Landes produzieren. Wie lange der Landwirtschaftsverband nun auf eine Antwort der Kartellbehörde warten muss, kann er derzeit nicht einschätzen.

Der für Landwirtschaft zuständige Minister der Regionalregierung Gianni Fava hatte unterdessen zu zwei Runden Tischen mit allen Beteiligten eingeladen. Während sich Coldiretti nach dem ersten Treffen optimistisch zeigte, machte sich nach der zweiten Zusammenkunft Enttäuschung breit - vor allen Dingen, weil die Industrie dem Treffen den Angaben zufolge fern geblieben war und lediglich Vertreter des Fachverbandes der Molkereien (Assolatte) zum ersten Gespräch kamen.

Abwesenheit mit Folgen

Die Abwesenheit der Verarbeiter brüskiert laut Coldiretti auch den regionalen Landwirtschaftsminister. Diese feindliche Haltung werde sich auf die in den nächsten Monaten anstehenden Entscheidungen auswirken, kündigte Fava an. Sollten die Verarbeiter auch weitere
Gesprächsangebote ausschlagen,will sich der Minister an das französische Landwirtschaftsministerium wenden.

Unterdessen kündigte die italienische Landwirtschaftsministerin Nunzia De Girolamo an, einen Runden Tisch auf nationaler Ebene zum Thema einzuberufen. Dieses wurde von Coldiretti begrüsst, zeige es doch die Bedeutung des Problems nicht nur auf regionaler Ebene. Gleichzeitig mahnte der Landwirtschaftsverband eine schnelle Lösung an.

Kritik am Vorgehens Favas kam vom Parlamentsabgeordneten der Demokratischen Partei (PD), Paolo Cova. Fava sei selbst nicht in der Lage gewesen, mit der Industrie zu verhandeln, und drohe nun mit dem Gang nach Europa. Viel dringender sei es, die vorhandenen italienischen gesetzlichen Regelungen durchzusetzen.

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