16.08.2018 12:28
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Dänemark
Historischer Einbruch bei Getreide
Die dänische Regierung will bei der Bewältigung der Dürrefolgen vorläufig vor allem die Tierhalter im Land unterstützen. Die Getreideernte 2018 wurde durch die Dürre regelrecht zersaust. Gemäss einem Fachmagazin wurde zuletzt 1976 ein ähnlich schlechtes Ergebnis eingefahren.

Wie der dänische Landwirtschaftsminister Jakob Ellemann-Jensen vergangene Woche bekanntgab, dürfen die Halter zur Verbesserung ihrer prekären Futterversorgung in diesem Jahr die Nacherntekulturen zur Winterbegrünung einbringen. Zugleich wurde die vorgeschriebene Aussaatfrist wegen der unverändert trockenen Feldbedingungen vom 20. August auf den 3. September verschoben. Rinderhalter dürfen zudem bis Ende des Jahres Stroh mit Ammoniak behandeln und an ihre Tiere verfüttern.

Schnelle Finanzhilfen abgelehnt


Kurzfristigen Finanzhilfen erteilte Ellemann-Jensen eine Absage. Auch die vorzeitige Auszahlung der Direktbeihilfen im Oktober soll aufgrund von technischen Problemen nicht möglich sein. So verhindere das IT-System der dänischen Landwirtschaftsbehörde eine entsprechende Massnahme. Auch eine manuelle Bearbeitung der Anträge würde das Antragsverfahren kaum beschleunigen, berichten Fachmedien. De-minimis-Hilfen kommen nach ihren Angaben ebenfalls nicht in Frage, da das System in Dänemark bereits für andere Zwecke genutzt worden sei und daher viele Betriebe die Obergrenze von 15'000 Euro in drei Jahren bereits erreicht hätten. 

Der Dachverband der dänischen Land- & Ernährungswirtschaft (L&F) rechnet unterdessen mit noch grösseren Trockenschäden als bislang erwartet. Demnach soll die Dürre in der Branche Verluste von umgerechnet 860 Mio Euro verursacht haben. Vor diesem Hintergrund begrüsst der Verband die von Ellemann-Jensen angekündigten Maßnahmen, fordert aber weitergehende Schritte, etwa steuerliche Erleichterungen.

40 Prozent weniger als 2017


Nach den ersten Prognosen zeichnet sich in Dänemark bei der Getreideernte ein historischer Einbruch ab. Laut einer Prognose des Fachmagazins Landbrugs Avisen dürfte das Getreideaufkommen bei insgesamt 6,1 Mio, t liegen. Das wären knapp 40% weniger als im Vorjahr, als die Ernte fast 10 Mio t erreicht hatte. Der zehnjährige Durchschnitt würde um 35% unterschritten. Allerdings würde diese Schätzung von offiziellen Stellen noch nicht bestätigt. 

Nach Darstellung des Fachmagazins wurde zuletzt im Jahr 1976 ein ähnlich schlechtes Ergebnis eingefahren. Gemessen am relativen Rückgang zum Vorjahr würde es sich sogar um eine der schwächsten Ernten des letzten Jahrhunderts handeln. Fachleute weisen allerdings darauf hin, dass es sich bei der aktuellen Prognose um die erste Schätzung überhaupt handele, die auf einer noch sehr lückenhaften Datenbasis beruhe. Zudem könne davon ausgegangen werden, dass die zum Zeitpunkt der Datenerhebung noch nicht gedroschenen Flächen zu den ertragreicheren Standorten zählten, da naturgemäss die von der diesjährigen Dürre besonders geschädigten Bestände zuerst gedroschen worden seien.

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE