8.04.2019 06:33
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Frankreich
Höhere Preise: Bauern gehen leer aus
In Frankreich haben die vor kurzem eingeführten Vorgaben für den Verkauf von Lebensmitteln im Detailhandel bislang noch keine Mehreinnahmen für die Landwirte oder eine gerechtere Verteilung der Wertschöpfung bewirkt. So sieht es zumindest der Dachverband der Genossenschaften (Coop de France).

Der Verband verwies vergangene Woche auf die seit Februar geltende Vorgabe,wonach der Preis beim Verkauf von Lebensmitteln im Detailhandel mindestens 10 % über dem Einstand liegen muss.

Hersteller und Landwirte profitieren nicht


Die Mehreinnahmen seien auf mehr als 600 Mio. Euro (673 Mio. Fr.) pro Jahr veranschlagt worden. Bislang sei aber weder in den Taschen der Verarbeiter noch der Produzenten etwas angekommen. Die Genossenschaften kritisierten zudem den Verlauf der diesjährigen Lieferverhandlungen zwischen dem Lebensmitteleinzelhandel (LEH) und der Agrar- und Ernährungswirtschaft. Nach wie vor gehe es ausschliesslich um Kostensenkung, die Tragfähigkeit der Betriebe oder die Rohstoffkosten würden nicht berücksichtigt.

Auch der Dachverband der Ernährungsindustrie (ANIA) erneuerte seine Kritik. Laut dem Verband mussten die Unternehmen bei den diesjährigen Abschlüssen eine Deflation von 0,5% hinnehmen. Dies sei der sechste Rückgang in Folge. ANIA-Präsident Richard Girardot warf ebenfalls die Frage nach dem Verbleib der Mehreinnahmen auf. Bislang hätten davon weder die Hersteller noch die Landwirte auch nur einen Cent gesehen.

Von staatlicher Seite wurde die Einschätzung der ANIA anteilig bestätigt. Staatssekretärin Agnès Pannier-Runacher vom Wirtschaftsministerium bezifferte bei einer Anhörung im Senat die Deflation für die Lebensmittelhersteller mit 0,27 % allerdings niedriger. Die Handelsunternehmen wiesen die Vorwürfe indes zurück. Nach ihrer Ansicht hat es Preissteigerungen zum Wohle der Produzenten gegeben, allerdings fehle es insbesondere bei den grösseren Lebensmittelherstellern an Transparenz.

Zahlen der Ernährungsindustrie „einseitig“

Der Gross- und Einzelhandelsverband (FCD) sieht die Verantwortung für den ausbleibenden Erfolg des Gesetzes zur Stärkung der Produzenten vor allem bei den Lebensmittelherstellern. Die Kritik am Verlauf der Verhandlungen diene nur dazu, den Mangel an Transparenz bei den Herstellern bezüglich des Verbleibs der zum Wohle der Bauern gewährten Preisaufschläge zu verschleiern. Die ANIA-Zahlen bezeichnete der FCD als „einseitig“.

Die Generaldirektion für Wettbewerb, Verbraucherfragen und Nahrungsmittelkontrolle (DGCCRF) bescheinigte dem LEH, landwirtschaftsnahe Lieferanten besser als grössere Unternehmen und Zusammenschlüsse behandelt zu haben. Derweil sieht der ANIA seine Klagen auch durch die Branchenergebnisse des vergangenen Jahres gestützt und durch die Zahlen einen „europaweit einzigartigen Rückgang der Wettbewerbsfähigkeit“ belegt auch wenn die Erlöse im vergangenen Jahr erneut gesteigert werden konnten.

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