28.09.2020 11:55
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE/mge
Italien
I: Hilfe für Agrarbranche
Unternehmen der italienischen Agrar- und Ernährungsbranche, die von der Corona-Pandemie besonders schwer getroffen wurden, sind für die ersten sechs Monate dieses Jahres von der Zahlung der gesetzlichen Sozialabgaben befreit. Das entsprechende Dekret zur Ankurbelung der Wirtschaft, das bereits am 19. Mai verfasst wurde, ist Mitte September in Kraft getreten.

Für die Unterstützungsmassnahme würden von den staatlichen Kassen insgesamt 426 Mio Euro (460 Mio Sfr.)  zur Verfügung gestellt, teilte das Landwirtschaftsministerium in Rom mit. Die Massnahme ziele insbesondere auf den Getreide- und Weinanbau, die Tierzucht, die Bienenhaltung, die Fischerei und die Aquakultur sowie Brauereien und den Agri-Tourismus.

Betriebe unter Druck

Der mitgliederstärkste Landwirtschaftsverband (Coldiretti), der sich entschieden für die Hilfsmassnahme eingesetzt hatte, begrüsste die Entscheidung. „Wir müssen die Arbeit und die Beschäftigung in einem der wichtigsten Wirtschaftszweige des Landes unbedingt sichern“, betonte der Präsident des Verbandes, Ettore Prandini. Nach seinen Angaben haben von den insgesamt rund 730'000 landwirtschaftlichen Unternehmen in Italien etwa 57 % durch die Corona-Krise starke Rückschläge erlitten.

Dies setze die Betriebe stark unter Druck, und das in einer Phase, in der es wegen der internationalen Spannungen im Handel besonders wichtig sei, die heimische Lebensmittelversorgung nicht von Importen abhängig zu machen.

8'000 Arbeiter haben gefehlt

Die Probleme der Agrarbetriebe sind laut Prandini zum Grossteil auf die geringe Zahl an ausländischen Saisonarbeitern zurückzuführen. Laut offiziellen Statistiken hätten im ersten Halbjahr 2020 im Vergleich zum Vorjahreszeitrum etwa 8'000 Arbeiter in der Landwirtschaft gefehlt. Die Arbeit auf den Feldern sei dadurch zwar nicht unterbrochen worden, doch der Mangel an Erntehelfern habe sich negativ auf die Erträge ausgewirkt, so der Verbandsvorsitzende.

Er bemängelte, dass die Politik trotz mehrmaliger Aufforderung nichts unternommen habe, um die freien Stellen mit italienischen Arbeitskräften zu besetzen, beispielsweise mit Arbeitslosen, Kurzarbeitern oder Studenten. „Italien kann es sich in dieser ohnehin schon schwierigen Zeit nicht leisten, die Arbeitschancen, die einer der dynamischsten Wirtschaftszweige des Landes bietet, einfach fallen zu lassen“, betonte Prandini. Das Land brauche neue Arbeitsregelungen, die eine Beschäftigung in der Landwirtschaft flexibler machten, die bürokratischen Hürden beseitigten und befristete Anstellungen mit niedrigen Einkommen ermöglichten.

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