6.08.2019 06:33
Quelle: schweizerbauer.ch - blu/sda
Handelsstreit
Importstopp für US-Agrarprodukte
US-Präsident Donald Trump hat die jüngste Abwertung der chinesischen Landeswährung Yuan als einen «schwerwiegenden Verstoss» kritisiert. Ein solches Vorgehen werde gemeinhin als Währungsmanipulation bezeichnet, schrieb Trump am Montag auf dem Kurznachrichtendienst Twitter. China trifft Trump zudem an einer empfindlichen Stelle.

Der Präsident reagierte damit auf die starke Abwertung der chinesischen Währung. Ein Dollar kostete am Montag erstmals seit dem Jahr 2018 wieder mehr als sieben Yuan.

Währung als Waffe

Diese Marke galt unter Experten lange Zeit als «rote Linie», die die chinesische Notenbank nicht überschreiten werde. Die Überschreitung der wichtigen Marke kommt nun nur wenige Tage nach der Ankündigung neuer Strafzölle durch US-Präsident Trump. «Die brennende Frage lautet nun, ob China seine Währung zur Waffe stilisieren möchte, um in einem unübersichtlichen Handelskrieg zurückschlagen zu können», sagte Commerzbank-Experte Hao Zhou.

Der Yuan-Kurs bewegt sich nicht gänzlich frei nach Marktkräften, sondern wird von der Notenbank Chinas in Grenzen gesteuert. Diese versicherte jedoch, die heimische Währung nicht als Mittel im Handelskonflikt zwischen den USA und China einzusetzen. China strebe keinen Abwertungswettlauf an und werde die Landeswährung Yuan auch nicht als Instrument in einem Handelsstreit einsetzen, sagte der Gouverneur der Notenbank, Yi Gang, einer am Montag veröffentlichten Mitteilung zufolge.

Abwertung birgt auch Risiken

Trotz derartiger Beschwichtigungen dürfte die US-Regierung alles andere als erfreut sein über die Abwertung des Yuan. Trump hatte China zusammen mit Europa in den vergangenen Wochen mehrfach vorgeworfen, die eigene Währung abzuwerten, um sich Vorteile im internationalen Wettbewerb zu verschaffen.  Normalerweise werden Ausfuhren in andere Länder durch eine schwächere Währung für ausländische Nachfrager günstiger. In der Regel kommt das der Exportwirtschaft des Landes mit der abwertenden Währung zugute - im aktuellen Fall also China.

Allerdings bestehen auch Risiken: An einer zu starken Abwertung kann kein Land interessiert sein, so auch China nicht. Experte Hao Zhou von der Commerzbank erinnerte an das Jahr 2015, als China seine Währung inmitten eines fragilen Börsenumfelds kräftig abwertete. Das löste an den Finanzmärkten panikartige Reaktionen aus. In China kam es zu erheblicher Kapitalflucht, was den Yuan zusätzlich schwächte. Eine solche Abwärtsspirale gilt als kaum beherrschbar.

Franken und Yen mit Zulauf

An den Finanzmärkten steuerten die Anleger am Montag sichere Häfen an. Der Goldpreis stieg auf ein neues Sechsjahreshoch. Gold gilt traditionell als Krisenschutz, der in unsicheren Zeiten verstärkt nachgefragt wird. 

Am Devisenmarkt wurden als sicher geltende Währungen nachgefragt. Vor allem der japanische Yen und der Schweizer Franken erhielten Zulauf. Die Aktienmärkte in Asien und Europa gerieten dagegen unter Druck. Auch in den USA deuteten sich weitere Kursverluste an.

Agrarstopp trifft Trump

China hat zudem die Käufe von amerikanischen Agrarerzeugnissen eingestellt. «Die entsprechenden chinesischen Unternehmen haben den Erwerb von US-Agrarprodukten eingestellt», gab das Handelsministerium in Peking am Dienstag bekannt. Die Einfuhren hatte sie vor einiger Zeit als Zugeständnis zugesagt, um den Konflikt etwas zu deeskalieren.

Das Handelsministerium zudem mit, nachträgliche Zölle auf seit dem 3. August erworbene Erzeugnisse aus den USA zu erwägen. Thomas Altmann vom Vermögensverwalter QC Partners erklärte laut Reuters dazu: «China trifft genau die Stelle, an der US-Präsident Donald Trump besonders verwundbar ist. Bisher hat er sich als Schutzpatron der US-Agrarindustrie präsentiert.»

Farmer wichtig für Trump im Wahlkampf

Trump hatte vor wenigen Tagen jedoch weitere Strafzölle von zehn Prozent auf chinesische Waren im Wert von 300 Milliarden US-Dollar angekündigt. Er hatte seine Ankündigung auch damit begründet, dass China nicht - wie eigentlich zugesagt - mehr Agrarprodukte aus den USA kaufe. Im Falle einer Ausweitung wären faktisch alle chinesischen Einfuhren in die USA mit Strafzöllen belegt.

China ist eigentlich ein wichtiger Kunde der US-Landwirte. Die Volksrepublik ist der weltgrösste Einkäufer von Sojabohnen, dem wertvollsten Exportprodukt der US-Farmer, wie welt.de schreibt. Vor dem Handelskonflikt kaufte China 2017 fast 33 Millionen Tonnen aus den USA. Laut Daten des Landwirtschaftsministerium USDA hat China innerhalb von zwölf Monaten bis zum 31. Mai 2019 die Importe von US-Sojabohnen aufgrund der Zölle um 75% gekürzt. Die Folge waren sinkende Preise für Sojabohnen, weshalb viele Farmer in diesem Frühjahr Mais statt Soja anbauten. 

Die ländlichen Gebiete sind wichtige Gebiete im Wahlkampf. Trumps Regierung hat den Landwirten bis zu 28 Milliarden Dollar als Entschädigung für die Verluste während des Handelsstreits zugesagt. In den USA wird im November 2020 gewählt.

Grosse Einkommenseinbussen für Bauern

Die US-Landwirte macht die Krise zu schaffen. Im ersten Quartal 2019 mussten sie kräftige Einkommenseinbussen hinnehmen. Das US-Handelsministerium in Washington bezifferte die Agrareinkommen auf insgesamt 36,10 Mrd. USD (36,8 Mrd. Fr.). Das wäre im Vergleich zum vierten Quartal 2018 ein Rückgang um umgerechnet 10,58 Mrd. Euro (12.1 Mrd. Fr.) oder 24,6% und damit das grösste Minus seit dem ersten Quartal 2016. 

Das Ministerium begründete die Einkommenseinbussen in der Landwirtschaft mit den zunehmenden finanziellen Belastungen durch den Handelskrieg zwischen den USA und China sowie mit niedrigen Agrarpreisen und einer Reihe von Naturkatastrophen. 

Milliarden-Hilfspaket


«Wir werden die Landwirte mit den Folgen ungerechtfertigter Vergeltungszölle nicht alleine lassen. Gleichzeitig arbeitet Präsident Donald Trump mit Hochdruck an verbesserten Handelsabkommen rund um den Globus», sagte Agrarminister Sonny Perdue Ende Juli.

Das 16 Mrd. USD-Hilfsprogramm soll auf Betriebe mit Sojabohnen, Schweine- und Milchviehhaltung sowie Cranberry-Moore und andere landwirtschaftliche Produktionszweige aufgeteilt werden. Die Zahlungen werden zwischen 15 und 150 USD pro Acre (14.9 bis 149 Fr.) (1 Acre entspricht 4.047 m2) liegen, je nach Standort der Farm und der diesjährigen erwarteten Produktion, sagte das Landwirtschaftsministerium. 

Zusätzlich werden 300 Mio. USD (298 Mio. Fr.) zur Förderung des Handels an landwirtschaftliche Gruppen vergeben, um neue Exportmärkte für Agrargüter zu erschliessen.

EU kauft US-Soja

Die Regierung von Donald Trump suchte neue Abnehmer von US-Soja. Zu den Abnehmern gehören die Staaten der EU. Gemäss der Europäischen Kommission stiegen die Importe aus den USA zwischen Juli 2018 und März 2019 um 121% auf rund 8,2 Mio. t an. Die EU importiert jährlich etwa 14 Mio. t Sojabohnen als Proteinquelle für die Ernährung von Nutztieren sowie für die Milchproduktion. 

Trump hatte im Handelskonflikt mit der EU im Juli 2018 Druck aufgesetzt. Erd drohte unter anderem mit Sonderzöllen auf Autoimporte. Trump und EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker einigten sich darauf, den Konflikt beilegen zu wollen. Juncker hatte dabei auch in Aussicht gestellt, dass die EU mehr Sojabohnen aus den USA importieren würde. 

Mit einem Anteil von 72% an den Sojabohnenimporten der EU sind die USA heute Europas grösster Lieferant. Umgekehrt ist die EU mit 22% das Hauptziel der US-amerikanischen Sojabohnenexport.

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