15.12.2013 12:10
Quelle: schweizerbauer.ch - Sunrita Sen und Doreen Fiedler, dpa
Indien
Indien: Gier nach Gold lässt Schmuggelgeschäfte blühen
Manchmal kommt das Gold in Flugzeugtoiletten ins Land, oft als Batterie getarnt in Handys, und ab und an sogar als Staub in Henna-Päckchen: Goldschmuggel nach Indien hat sich vervielfacht, seit die Regierung die Importzölle angehoben hat.

Fast nirgendwo auf der Welt ist Gold so beliebt wie bei den Indern. Frauen erhalten Goldschmuck zu ihrer Hochzeit, Gläubige schenken es kiloweise an Tempel, und fast jede Familie hat einen kleinen Schatz Zuhause für schlechte Tage. In alten Filmen wimmelt es von Frauen, die - im Fall einer Familientragödie - ihre Ketten und Armreifen verkaufen, um den Ehemann zu retten.

Landeswährung schwächelt


Diese Tradition erlitt einen harten Schlag, als die Politik aus wirtschaftlichen Gründen dieses Jahr Gold erst immer weiter verteuerte und dann den Import sogar an die Ausfuhr koppelte. «Als die Regierung die Bevölkerung öffentlich dazu aufrief, kein Gold mehr zu kaufen, um bei der Reduzierung des Leistungshandelsdefizits zu helfen, brach die Nachfrage ein», sagt Ashok Minawala, Ex-Vorsitzender von Indiens Edelstein- und Schmuckhandelsverband.

Auch schwächelt die Landeswährung Rupie derzeit, was Gold in Indien extrem teuer macht. Die Folge: Im August und September wurde fast nichts mehr importiert. «Gold, das inoffiziell durch Indiens poröse Grenzen ins Land kam, half dabei, die aufgestaute Nachfrage zu bedienen», schreibt das World Gold Council im jüngsten Bericht - in anderen Worten: der Schmuggel blüht.

Schmugglerinnen in Burkas

So wurde neulich etwa ein Goldschatz auf einer Flugzeugtoilette entdeckt. 24 Ein-Kilo-Barren lagen versteckt auf dem stillen Örtchen einer Jet-Airways-Maschine von Patna nach Kalkutta. Zollbeamte erklären den Trick: Das Flugzeug war vorher auf der Route Dubai - Mumai unterwegs. Ein Schmuggler liess das Gold während dieses Flugs zurück, ein Kollege sollte es während des anschliessenden Inlandsfluges hervorholen. Nach der Landung hätte er dann ohne Zollkontrolle aus dem Flughafen marschieren können.

Viel Schmuggelware bleibt natürlich unentdeckt, doch die Menge des konfiszierten Edelmetalls hat sich versechsfacht: Zwischen April und September dieses Jahres fand der indische Zoll 570 Kilogramm Gold, während es im gleichen Zeitraum im vergangenen Jahr lediglich 94 Kilogramm waren. Ein Beamter der Finanzbehörde meint, das meiste Gold werde aus dem Nahen Osten, Singapur und Thailand eingeflogen.

Vor einigen Wochen wurden am Flughafen von Kochi zwei Schmugglerinnen in Burkas geschnappt, wie das Magazin «India Today» berichtet. Die Frauen, die ein Kind an der Hand führten, hatten zahlreiche Barren in speziellen Jacken unter den weiten Gewändern eingenäht.

Innovative Schmuggler


Manchmal kommt das gelbe Metall auch von Sri Lanka aus mit Fischerbooten herüber, oder es wird über die Landesgrenzen aus Nepal, Bangladesch und Burma herbeigeschafft. «Urplötzlich sind die Goldimporte in den Ländern rund um Indien in die Höhe geschnellt - in Ländern, die eigentlich keine grossen Goldkonsumenten sind», sagt der Finanzbeamte.

Ähnlich wie Drogenhändler finden auch Goldschmuggler immer neue Wege für den Transport. «Häufig finden wir Gold in den Batteriefächern von Mobiltelefonen und Laptops», sagt Milind Lanjewar, der beim Zoll in Mumbai arbeitet. Sein Kollege R. Meena in Kolkata erklärt, er halte nach verdächtigen Hinweisen Ausschau. «Wenn wir einzelne Batterien in den Hosentaschen oder Koffern finden, dann gucken wir mal in den Geräten nach.» Manchmal hätten die Schmuggler auch Abführmittel im Gepäck, fährt Meena fort. «Das heisst, sie haben wahrscheinlich einen Goldbarren im Hintern stecken.»

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