10.07.2017 14:52
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Italien
Italien: Ausbeutung auf Feldern
Die italienische Justiz will den Kampf gegen den sogenannten «Caporalato», die Ausbeutung von Schwarzarbeitern auf den Feldern, ausweiten. Kontrollen wurden dieser Tage in mehreren süditalienischen Provinzen durchgeführt. Dabei seien 235 Personen und 26 Unternehmen in der Landwirtschaft kontrolliert worden, berichtete die Polizei.

Der «Caporalato» ist vor allem in den süditalienischen Regionen verbreitet. Ausländische Arbeitskräfte, etwa aus Osteuropa oder Afrika, werden wie «Sklaven» in der Landwirtschaft eingesetzt.

Ausbeutung, Vergewaltigungen und Prostitution 


Das Wochenmagazin «L'Espresso» veröffentlichte kürzlich einen Bericht über die Ausbeutung weiblicher rumänischer Arbeitskräfte auf den Tomatenfeldern der sizilianischen Provinz Ragusa. Hier würden hunderte Frauen in schlimmsten Bedingungen leben und stundenlang auf den Feldern arbeiten.

Laut «L'Espresso» seien Ausbeutung, Vergewaltigungen und Prostitution rund um die Felder Ragusas an der Tagesordnung. Hunderte Frauen hätten sich Schwangerschaftsabbrüchen unterzogen. Die Rumäninnen würden in Barackensiedlungen, Garagen, oder Lagerhallen wohnen. Für diese Unterkünfte müssten sie sogar Teil ihres Lohnes abgeben.

Entschädigungen für Opfer 


Seit dem vergangenen Oktober ist in Italien ein Gesetz in Kraft, mit dem die Ausbeutung von Arbeitskräften aus den Feldern mit bis zu sechs Jahren Haft bestraft wird. Diese Strafe kann um weitere zwei Jahre verschärft werden, wenn der Arbeitnehmer geschlagen oder schwer bedroht wurde. Neben den Haftstrafen sind auch Geldstrafen zwischen 500 und 1'000 Euro für jeden Schwarzarbeiter vorgesehen. Dieser Betrag steigt auf 2000 Euro wenn der Arbeitnehmer Gewalt erlitten hat oder bedroht wurde.

Entschädigungen sind für die Opfer vorgesehen. Politiker lobten das Gesetz und forderten ausgedehntere Kontrollen in der Landwirtschaft. Die Kontrollen der Arbeitsbedingungen in der Landwirtschaft sollen verstärkt von Carabinieri auf den Feldern durchgeführt werden. Dazu müssten auch die Gemeinden eingebunden werden.sda

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