21.05.2013 09:05
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
EU
Kartellverdacht - EU-Kommission inspiziert Zuckerwirtschaft
Die Europäische Kommission hat wegen Verdachts auf ein Zuckerkartell bereits im April unangekündigte Inspektionen bei Unternehmen in mehreren EU-Mitgliedstaaten durchgeführt. Das teilte die Behörde vergangene Woche in einer Stellungnahme mit.

Es bestehe Grund zu der Annahme, dass die betroffenen Unternehmen gegen die EU-Kartellregeln verstossen hätten, so die Kommission. Bei den Kontrollen, die am 23. April in Begleitung von Beamten der jeweiligen nationalen Kartellbehörden stattfanden, ging es um die unterschiedlichen Formen des Weisszuckerangebots.

Gegenüber dem Presse- und Informationsdienst Agra-Europe bestätigten die Nordzucker AG, die Südzucker AG und die Agrana AG, dass sie von der Kommission Besuch erhielten. Die Nordzucker wollte das Ereignis nicht kommentieren. Ein Südzucker-Sprecher erklärte hingegen, man erwarte keine negativen Folgen.

Obstverarbeiter und Süsswarenhersteller klagen über hohe Preise

Die Bewertung der Unterlagen kann Monate dauern. Es gebe keine Fristvorgaben zum Abschluss der Untersuchung, betonte die Kommission. Die Länge hänge von der Komplexität des Falls ab. Denn die europäische Zuckerwirtschaft ist hochkonzentriert, wenige Unternehmen kontrollieren das Angebot an Weisszucker.

Zuckerverwendende Unternehmen wie Obstverarbeiter oder Süsswarenhersteller klagen seit geraumer Zeit über zu hohe Preise für Weisszucker am EU-Markt. Branchenorganisationen, beispielsweise das Infozentrum Zuckerverwender (IZZ), fordern deshalb die schnelle Abschaffung der EU-Quotenregelung.

Weitere Mengen freigegeben

Die Europäische Kommission versucht bislang immer wieder, dem Markt durch die Freigabe von EU-Zuckerüberschüssen und zusätzliche Importe Luft zu verschaffen. Zuletzt gaben die EU-Mitgliedstaaten im zuständigen Verwaltungsausschuss am vergangenen
Donnerstag grünes Licht für die Entsperrung von 150'000 t Nicht-Quotenzucker. Die entsprechende Strafabgabe wurde auf 177 Euro/t (220 Fr./t) gesenkt. Gleichzeitig dürfen zusätzliche 8'000 t Isoglucose auf den Markt. 

Zudem wurden erneut Drittlandsimporte zu vergünstigten Zollsätzen gestattet, gut 116'100 t Weisszucker zu 161 Euro/t (200 Fr./t) und 40'000 t Rohzucker zu 141 Euro/t (175 Fr./t). Das waren die gleichen Sätze, die bei der vorangegangenen Ausschreibung im Februar zur Anwendung kamen.

Insgesamt will die Kommission im laufenden Wirtschaftsjahr 1,2 Mio t Zucker zusätzlich auf den Markt bringen. Die Vorgabe wurde bislang zu drei Vierteln erfüllt. Eine letzte Ausschreibung ist für den 12. Juni dieses Jahres vorgesehen.

Umrechungskurs: 1 Euro = 1,24 CHF

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