18.04.2018 18:28
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
EU
Kein Milchpulver für Tierernährung
EU-Agrarkommissar Phil Hogan hat Forderungen nach einem Abbau der hohen Interventionsbestände von Magermilchpulver durch eine Verwendung in der Tierernährung eine Absage erteilt. Sowohl der Einsatz als Eiweissquelle im Mischfutter als auch die Abgabe an Bedürftige seien keine praktikablen Lösungen, erklärte Hogan bei einem Treffen mit den beteiligten Akteuren am vergangene Woche in Brüssel.

Grundsätzlich sollten „die Spielregeln nicht während des Spiels geändert werden“. Die Vorgaben für den Abbau der Bestände seien bereits beim Einlagern der ersten Tonnen klar gewesen, und die EU-Kommission werde sich an die gesetzlichen Vorgaben halten.

Warnung vor Überproduktion

Hogan machte deutlich, dass die Behörde entschlossen sei, steigende Entgelte für Butter und akzeptable Rohmilchpreise zu nutzen, allerdings nicht „um jeden Preis“. Möglicherweise werde man auf die Hilfe der Mitgliedstaaten zurückgreifen müssen. Der EU-Agrarkommissar betonte, dass der Einfluss der Milchpulverpreise auf die Entgelte der Erzeuger begrenzt sei. Weder die Existenz noch der Abbau der Interventionsbestände rechtfertigten es, Druck auf die Produzenten aufzubauen.

Der Ire erinnerte den Sektor daran, dass er bereits im Jahr zuvor vor einer Ausweitung der Produktion gewarnt hatte. Die Genossenschaften und die privatwirtschaftlichen Verarbeiter seien gleichermassen gefordert, verantwortungsbewusst mit entsprechenden Steigerungen umzugehen. Die Erzeuger brauchen Hogan zufolge Marktsignale von ihren Kunden.

Der Milchpreis sei jedoch nicht die einzige Möglichkeit, diese Signale zu übermitteln. Es sei an der Zeit für einen ganzheitlicheren Ansatz - die Rolle der Landwirte umfasse mehr, als nur das Entgelt einzustreichen und die der Verarbeiter gehe auch über die blosse Abnahme der Rohmilch hinaus. Es gehe jetzt um marktorientiertes Handeln, gemeinsame Planung sowie nachhaltige und vernünftige Wachstumsziele.

Willkommene Nothilfe

Im Gespräch mit Hogan hatten sowohl der Milchpräsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Karsten Schmal, als auch Vertreter der französischen Milchwirtschaft unter anderem die Verwendung in der Tierernährung vorgeschlagen. Schmal drängte darauf, die hohen Interventionsbestände schnell und marktunschädlich abzubauen. „Nach der Milchpreiskrise der Jahre 2015 und 2016 befinden sich derzeit in der EU rund 380'000 t Magermilchpulver in den öffentlichen Lagerbeständen. Diese belasten den Milchmarkt“, betonte der DBV-Milchpräsident.

Das Pulver werde bereits deutlich unterhalb des Interventionspreisniveaus gehandelt, was sich auf die Erzeugerpreise niederschlage. Auch die vermehrte Abgabe an Bedürftige innerhalb der EU sollte geprüft werden. Diese Regelung werde derzeit jedoch aufgrund ungünstiger Marktpreise nicht wahrgenommen. Schmal schlug dem EU-Agrarkommissar deshalb vor, die Möglichkeit zu schaffen, Interventionsware zu verarbeiten und Lebensmittel direkt an Bedürftige weiterzureichen.

Die EU-Institutionen sollten ebenfalls in Betracht ziehen, die Lebensmittelversorgung für Krisenregionen in Drittstaaten mit verarbeitetem Magermilchpulver aus der Intervention zu verbessern. Die Vereinten Nationen (UN) hätten vor kurzem signalisiert, dass Milchpulver aus der EU als akute Nothilfe hochwillkommen sei.

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