21.04.2015 16:18
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE/blu
EU-Milchmarkt
Keine Milchschwemme nach Quotenende
Die am 1. April ausgelaufene EU-Milchquotenregelung hat bisher keine Explosion der EU-Milchanlieferungen bewirkt. Erste Zahlen der statistischen Ämter und Nachfragen bei Molkereien würden das belegen, teilte der Milchindustrie-Verband (MIV) am vergangenen Mittwoch mit. Dass der Milchmarkt nicht gleich am ersten Tag nach dem Auslaufen der Mengenregulierung ins Bodenlose stürze, bedeute jedoch nicht, dass kein Handlungsbedarf bestehe, betonten die Milchviehhalter.

„Niemand hat eine Milchschwemme erwartet, und diese ist nun auch nicht eingetreten“, stellte MIV-Hauptgeschäftsführer Eckhard Heuser fest. Nach seinen Angaben hat die Milchquotenregelung in vielen EU-Ländern bereits seit längerem keine Rolle mehr gespielt, denn die Unterlieferungen in den
Nachbarstaaten hätten den dortigen Landwirten eine anAngebot und Nachfrage orientierte Produktion erlaubt. Dies sei nun auch in Deutschland der Fall.

Natürliche Bestimmungsgrössen bestimmen Produktion

Über die weitere Marktentwicklung äusserte sich der MIV vorsichtig optimistisch. Die EU-Lagerbestände seien derzeit niedrig, und die öffentliche Intervention müsse nicht in Anspruch genommen werden. Zudem fördere im Ausfuhrgeschäft der exportfreundliche Euro-Dollar-Wechselkurs die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen und europäischen Molkereien. Insofern seiman zuversichtlich, dass die Milchpreise im dritten Quartal wieder ansteigen könnten.

Eine entsprechende Dynamik könnte auch in den Markt kommen, wenn die augenblicklich mit 70 Prozent angegebene Wahrscheinlichkeit des Wetterphänomens El Niño eintrete. Dies würde, so der MIV, spürbar negative Auswirkung auf die Milchanlieferung in Ozeanien haben. Damit bestätige sich die Einschätzung von Wissenschaftlern, dass zukünftig natürliche Bestimmungsgrössen in einem hohen Mass die weltweite Milchproduktion determinierten, was nun auch für die EU gelte.

BDM sieht Handlungsbedarf

Vor dem Hintergrund der aktuell laufenden Listungsgespräche der Molkereien mit dem Lebensmitteleinzelhandel unterstützt der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM) die positive Beurteilung der Marktlage, um die Verhandlungsposition der Molkereien im Sinne besserer Milchproduzentenpreise zu stärken. „Auch der Handel beobachtet den Markt intensiv und würde das Signal einer starken Milchmengenausweitung für Preissenkungen nutzen“, erklärte der BDM-Vorsitzende Romuald Schaber.

Eine Milchschwemme wird es nach seiner Ansicht kurzfristig jedoch nicht geben; die Auswirkungen des Quotenendes würden sich erst mittel- bis langfristig bemerkbar machen. Dass der Milchmarkt nicht gleich am ersten Tag nach dem Auslaufen der Mengenregulierung ins Bodenlose stürze, bedeute jedoch nicht, dass kein Handlungsbedarf bestehe, betonte Schaber.

Anpassung des Umrechnungsfaktors

Insbesondere das momentane Milchpreisniveau von unter 30 Cent/kg Milch ermögliche keine zukunftsfähige Wirtschaftlichkeit der Milchviehbetriebe und müsse daher sofort angehoben werden. Eine Massnahme in diese Richtung wäre die Anpassung des Umrechnungsfaktors von Litern in Kilogramm Milch auf das gängige EU-Niveau von 1,03.

Die deutschen Milchviehhalter müssten beim bestehenden Umrechnungsfaktor von 1,02 für das gleiche Milchgeld 1% mehr Milch liefern als ihre europäischen Kollegen, kritisierte Schaber. Der BDM-Vorsitzende forderte zudem erneut den Ausbau eines Sicherheitsnetzes mit befristeten Mengenregulierungen für den Krisenfall und eine verbesserte Marktstellung der Milchviehhalter.

Milch verkaufen statt andienen

Um die Einkommenssituation der Milchbauern nach dem Quotenende zu verbessern, setzt die MEG Milch Board auf gleichberechtigte Preisverhandlungen mit den Molkereien für die in den grossen Produzentengemeinschaften gebündelte Milch. Nach Angaben ihres Vorsitzenden, Peter Guhl, ist dies jedoch problematisch, da zwei Drittel der deutschen Milch nicht verkauft, sondern von Genossenschaftsmitgliedern angedient werden.

In diesem Bereich fänden überhaupt keine Milchpreisverhandlungen statt. Die Molkereien zahlten lediglich Restgeld aus. Wer die Milchbauern in den freien Markt entlasse, müsse an dieser Stelle Änderungen herbeiführen. „Die Andienungspflicht ist unserer Auffassung nach nicht kartellrechtskonform. Wenn der Gesetzgeber die Beziehungen zwischen Milchproduzenten und Molkereien auf eine neue Basis stellen will, dann muss er die Andienungspflicht aus dem Genossenschaftsrecht heraushebeln“, forderte Guhl.

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