16.09.2014 12:09
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Forschung
Klimafolgen-Faustregel umgekrempelt
Eine Faustregel für eine der möglichen Folgen des Klimawandels lautet «trockene Regionen werden trockener, feuchte feuchter». Nun weisen jedoch Forschende der ETH Zürich nach, dass die Regel nur über Ozeanen, nicht aber über Landmassen gilt.

Die Regel heisst auf Englisch «Dry gets drier, wet gets wetter», kurz: DDWW. Sie wurde mit einer Technik aufgestellt, die die klimatischen Eigenschaften über dem Ozean zwar gut beschreibt, über Land aber nicht sehr gut funktioniert. Dies sei bisher im wissenschaftlichen und öffentlichen Diskurs übersehen worden, erklärten die Forschenden in einer Mitteilung vom Montag.

Verfügbares Wasser limitiert

Der Unterschied ist, dass über Landoberflächen die Menge des verfügbaren Wassers im Gegensatz zum Ozean limitiert ist. Das Team um Sonia Seneviratne, Professorin für Land-Klima-Dynamik an der ETH Zürich, kombinierte nun bestehende Daten zu Niederschlag, tatsächlicher Verdunstung und potentieller Verdunstung über dem Land neu.

So konnten die Forschenden Trends zur Feuchtigkeit respektive Trockenheit einer Region herauslesen. Dabei verglichen sie zudem Daten aus der Zeit von 1948 bis 1968 und von 1984 bis 2004. Die Resultate stellen sie nun im Fachjournal «Nature Geoscience» vor.

Kein eindeutiger Trend

Auf drei Vierteln der Landfläche war kein eindeutiger Trend zu trockenerem oder feuchterem Klima auszumachen. Auf dem letzten Viertel gibt es zwar solche Trends - doch nur die Hälfte entspricht der Regel DDWW, die andere Hälfte widerspricht ihr.

So sei es in feuchten Regionen des Amazonas, Mittelamerikas, des tropischen Afrikas oder Asiens - wo es gemäss der Formel DDWW noch feuchter hätte werden sollen - in der Vergangenheit trockener geworden. Umgekehrt seien Trockengebiete in Teilen Patagoniens, Zentralaustraliens und des mittleren Westens der USA feuchter statt trockener geworden.

Für Ozeane gültig

Die Faustregel «feucht wird feuchter» trifft im Osten der USA, Nordaustralien oder im Norden Eurasiens zu. «Trocken wird trockener» stimmte in der Sahelzone, der Arabischen Halbinsel oder Teilen Zentralasiens und Australiens.

«Unsere Resultate unterstreichen, dass man sich nicht zu sehr auf vereinfachende Grundsätze abstützen soll, um vergangene Veränderungen bei Trockenheit oder Feuchte einzuschätzen», sagte Erstautor Peter Greve in der Mitteilung. Für Ozeane sei der Grundsatz DDWW aber nach wie vor zutreffend, betonen die Forscher.

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