3.05.2018 09:51
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Milch
Knatsch wegen Milchprodukten
Eine höhere Eigenproduktion und weniger Importe will Russland nicht nur im Fleischsektor, sondern auch bei Milch erreichen. Das Moskauer Landwirtschaftsministerium arbeitet deshalb im Auftrag der Regierung gegenwärtig an einem neuen „Lebensmittelprogramm 2025“. Weissrussland ist verärgert.

Dieses sieht unter anderem vor, die Milcherzeugung bis zum Zieljahr auf 32,4 Mio. t zu steigern. Das wären gut 4% oder 1,3 Mio. t mehr, als 2017 produziert wurden. Problem dabei ist, dass bis 2025 mit einem weiteren Rückgang der Erzeugung in den kleinen Hofwirtschaften auf dem Land zu rechnen ist, und zwar um 1,6 Mio. t auf 13,9 Mio. t.

Weniger Importe aus Weissrussland

Das Wachstum muss deshalb bei den Gemeinschaftsbetrieben und grösseren privaten Milchbauern erfolgen, die bis 2025 ihre Produktion um rund 2,9 Mio. t oder 19% auf 18,5 Mio. t steigern sollen. Fachleute des Verbandes der Milchproduzenten (Sojuzmoloko) halten das Produktionsziel für realistisch, wenn die staatlichen Fördermassnahmen wie zinsgünstige Kredite und Investitionshilfen für Stallneubauten für die Milchbauern fortgesetzt werden. Die komplette Selbstversorgung dürfte aber auch 2025 nicht erreicht werden, denn gegenwärtig beläuft sich das Versorgungsdefizit nach Regierungsangaben auf etwa 25%. Um diese Lücke zu schliessen, müsste die Milcherzeugung auf mindestens 40 Mio. t steigen.

Die von Russland angestrebte Importsubstitutionspolitik dürfte vor allem zu Lasten des wichtigsten Auslandslieferanten Weissrussland gehen. Russlands Landwirtschaftsministerium mit Alexander Tkatschew an der Spitze hatte dem Nachbarland in den vergangenen Monaten bereits mehrfach den „Ratschlag“ erteilt, seine milchwirtschaftlichen Exporte stärker auf mehrere Abnehmerländer zu diversifizieren. In der jüngeren Vergangenheit hat Russland für mehrere landwirtschaftliche Produkte aus Belarus die Einfuhr wegen angeblicher Qualitätsmängel verboten, darunter im März dieses Jahres auch für wichtige Milchprodukte.

Warnung vor Handelskrieg

Auf heftige Kritik stossen die russischen Handelsrestriktionen für Agrarerzeugnisse beim weissrussischen Präsidenten Alexander Lukaschenko. Mit Blick auf die Einfuhrverbote für Milchprodukte warnte er kürzlich davor, die Regeln des Welthandelssystems zu unterlaufen und verglich den blockierten Zugang zum russischen Markt mit dem beginnenden Handelskrieg zwischen den USA und China. Die Situation sei bereits kurz vor dem Eskalieren, so Lukaschenko.

Er warf Russland vor, in regelmässigen Abständen Beschränkungen für die Lieferungen landwirtschaftlicher Produkte wie Milch und Schweinefleisch aus Weißrussland einzuführen, die offiziell mit Qualitätsmängeln begründet würden. Nach Angaben des Föderalen Aufsichtsdienstes für Tier- und Pflanzengesundheit (Rosselkhoznadzor) soll der Anteil von Milchprodukten mit verbotenen und schädlichen Substanzen in weissrussischen Lieferungen von 2,6% Anfang 2016 auf zuletzt 65,6% gestiegen sein.

China als Retter?

Das Minsker Landwirtschaftsministerium hat unterdessen, auch infolge des russischen Einfuhrverbotes für Molkereiprodukte, angekündigt, die Exportabhängigkeit abbauen zu wollen. Im vergangenen Jahr gingen noch 90,3% der weissrussischen Ausfuhren von Milcherzeugnissen nach Russland, die einen Wert von gut 1,9 Mrd. USD (1,89 Mrd. Fr.) hatten. Zu den „neuen Auslandskunden“ sollen andere Länder der Gemeinschaft
 Unabhängiger Staaten (GUS) gehören, darunter Kasachstan, die Ukraine, Kirgisien oder Aserbaidschan.

Die Lieferungen von Milchprodukten in die GUS ohne Russland erlösten 2017 rund 165 Mio. USD (164 Mio. Fr.). Der Absatz in Drittländer spülte dagegen nur 43 Mio. $ (43 Mio. Fr.) in die Kassen der Milchexporteure aus Belarus. Laut dem weissrussischen Landwirtschaftsminister Leonid Zajaz sollen 2018 aber Milcherzeugnisse im Wert von mehr als 100 Mio. USD (99.6 Mio. Fr.) nach China geliefert werden.

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