8.06.2017 10:17
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
EU
Kosten senken zur Krisenprävention
Milchbauern in Deutschland sind mit einer Verringerung des Arbeitsaufwandes und gedrosselten Investitionen über das Preistief hinweggekommen. Die Französischen Bauern sind stärker als ihre Kollegen in andere Betriebszweige eingestiegen und polnische Bauern setzten vermehrt auf Börsenabsicherung. Der DLG-Trendmonitor Europe zeigt die Handlungsmuster auf.

Eine kritische Prüfung der Ausgaben und insbesondere der Arbeitserledigungskosten zur Erhaltung der Zahlungsfähigkeit zählt für die deutschen Milchproduzenten nach wie vor zu den wichtigsten Instrumenten für die Überwindung von Preistälern. Allerdings ergeben sich im Vergleich zu den Nachbarländern einige Unterschiede bei der Schwerpunktsetzung, wie der, vergangene Woche von der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) vorgestellte aktuelle Trendmonitor Europe zeigt.

Dafür wurden die entsprechenden Daten für das Milchwirtschaftsjahr 2015/16 ausgewertet. Nach Angaben der DLG setzten die Milchbauern in Deutschland in der vergangenen Tiefpreisphase vorwiegend bei der kritischen Prüfung von Investitionen und der Verringerung des Arbeitsaufwandes durch effizientere Abläufe an. Konkret hätten fast 80% von ihnen angegeben, sich durch den Verzicht auf Anschaffungen auf das jüngste Preistief eingestellt zu haben; die Erhöhung der Milchleistung aus dem Grundfutter sei von gut 70% als Massnahme der Wahl genannt worden.

Futter und Diesel wichtiger als Börse

Mittels Einkaufskontrakten hätten rund drei Viertel der befragten deutschen Bauern ausserdem die Preise von Futter und Diesel abgesichert. Eine eher untergeordnete Rolle spielten für sie dagegen die Absicherungen an der Börse, der Einstieg in neue Betriebszweige und die Erweiterung der Herde. Ein ähnliches Bild zeichnete sich laut DLG auch in Frankreich ab. Die dortigen Milchproduzenten hätten sich allerdings bei der Erhöhung der Milchleistung aus dem Grundfutter eher zurückgehalten und stattdessen stärker als ihre deutschen Kollegen ihre Herden erweitert oder ihren Tätigkeitsbereich verändert.

Auch die Briten hätten ähnliche Schwerpunkte wie die Deutschen gesetzt, so die DLG. Nur jeder Fünfte der dortigen Befragten habe die Herdenaufstockung als Mittel der Wahl angeführt, während mehr als jeder zweite angegeben habe, auf Investitionen verzichtet zu haben. Polnische Milchbauern nutzten derweil verstärkt die Börse, um die Preisvolatilitäten abzufedern. Ausserdem stockten sie öfter als ihre europäischen Nachbarn ihre Viehbestände zwecks Kostenvorteilen auf.

Exportförderung international gewünscht

Welche Massnahmen gegen die Risiken am Milchmarkt wirksam sind, wird laut Darstellung der DLG in der Branche nach wie vor kontrovers diskutiert. Entsprechend habe sich bei der Befragung unter den deutschen Produzenten auch keine eindeutige Mehrheit für einen bestimmten Ansatz ergeben. Rund 60% der Milchbauern hätten Lieferverträge mit den Molkereien als ein wirksames Instrument eingestuft. Ein etwa ebenso hoher Anteil habe eine Stärkung des Exports befürwortet. Die Differenzierung der Milch nach Produktionsart hielt der Landwirtschafts-Gesellschaft zufolge immerhin gut die Hälfte von ihnen für eine sinnvolle Massnahme. Für gestaffelte Milchpreise habe sich nur etwa ein Drittel ausgesprochen.

Unter den französischen Landwirten in der Milchwirtschaft sei mit fast 75% ebenfalls der Abschluss von Lieferverträgen die meistgenannte Strategie gewesen, berichtete die DLG. Fast genauso hoch sei der Anteil der Befürworter aber auch bei der Absicherung des Milchpreises an der Börse über die Molkereien, der Differenzierung der Milch nach Erzeugungsart und der Exportförderung ausgefallen. Verstärkt für mehr Ausfuhren und Lieferverträge mit den Molkereien hätten sich auch die polnischen Umfrageteilnehmer ausgesprochen, während die Briten neben mehr Exporten und Lieferverträgen auch mehrheitlich gestaffelte Milchpreise bevorzugt hätten.

Tierwohl statt Big Data

Mit Blick auf die eigene Betriebsführung steht bei den befragten Milchproduzenten in Deutschland laut Trendmonitor für die Überbrückung von Preistälern die Liquiditätsplanung im Zentrum. Ein weiterer Baustein sind der Befragung zufolge Massnahmenpläne für Liquiditätsengpässe. Zwei Drittel der Milchviehhalter hielten diese nach eigenen Angaben für sehr wichtig beziehungsweise wichtig, um im Preistief handlungsfähig zu bleiben, so die DLG.

Überdies würden rund 60% der befragten Landwirte dem Berichtswesen gegenüber der finanzierenden Bank eine wichtige Bedeutung beimessen. Immerhin fast die Hälfte erachte auch die Einschränkung privater Ausgaben als sehr relevant. Dagegen hielten fast drei Viertel der befragten Milchviehhalter Kooperationen zwecks Kostensenkung für eher unwichtig. Wenn es um potentielle Investitionen in neue Technologie und die Bewertung der aktuellen Techniktrends geht, kommen umfangreiche Datenauswertungsinstrumente nach Angaben der DLG eher schlecht weg.

Rund 70% der Landwirte bewerteten Big-Data-Anwendungen als weniger wichtig bis unwichtig. Zu unklar sei nämlich der Nutzen für die Anwender, aus dem grossen Umfang der gesammelten Daten wirksame Informationen für die eigene Betriebs- und Herdenführung abzuleiten. Fast 80% legten dagegen Wert auf die Verbesserung der Tiergerechtheit. Ebenso spiele die bedarfsgerechte Gülleausbringung eine übergeordnete Rolle, um die schärferen Vorgaben bei den Nährstoffüberschüssen zu meistern.

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