1.02.2019 15:30
Quelle: schweizerbauer.ch - sda/blu
EU
Kranke Kühe geschlachtet: EU ermittelt
Ein Schlachthof in Polen tötete nachts heimlich kranke Tiere, tonnenweise gelangte das Fleisch in Umlauf - auch in die EU. Warschauer Behörden nehmen die Produkte vom Markt, schliessen Gesundheitsrisiken jedoch aus. Auch die EU-Kommission ermittelt.-> Mit Video

Die EU-Kommission hat wegen eines Fleischskandals auf einem Schlachthof in Polen Ermittlungen eingeleitet. Kontrolleure sollten am Montag nach Polen reisen, um die Situation zu analysieren, erklärte eine Sprecherin der Brüsseler Behörde am Freitag. 

Schlachthof wurde geschlossen

Die betreffende Fabrik in der Woiwodschaft Masowien, gegen die polnische Behörden inzwischen unter anderem wegen illegaler Schlachtung ermitteln, sei geschlossen, hiess es. Etwa 9,5 Tonnen Fleisch seien in Umlauf gelangt, ein Drittel davon ins EU-Ausland. Ein Gesundheitsrisiko besteht nach Angaben der Behörden nicht. Das Fleisch werde zurückverfolgt und vom Markt genommen. Mindestens 13 Länder sind betroffen, darunter auch Deutschland.

Kranke Tiere geschlachtet

In Polen hat ein Reporterteam von «TVN24» die Fleischbranche in Aufruhr gebracht.
Ein Reporter hatte sich bei der Firma als Arbeiter eingeschleust. Die Aufnahmen des TV-Berichts zeigen Kühe, die sich nicht mehr laufen können. Sie werden mittels Seilwinde aus dem Lastwagen in den Schlachtraum gezogen. Angeliefert werden die kranken Tiere in der Nacht. Anschliessend werden die Tiere geschlachtet. Die Bilder zeigen weiter, wie Arbeiter die Tumoren und Abszesse abgeschnitten werden. Die Schlachtungen werden ohne tierärztliche Aufsicht vorgenommen.

Ohne weitere Untersuchung werde das Fleisch mit Stempeln als für den Verzehr unbedenklich ausgezeichnet und verpackt, erzählt der Informant im Beitrag. Gemäss den Recherchen werden solche heimlichen Schlachtungen in der Nacht regelmässig vorgenommen. Der Tierarzt stellt gemäss dem Informanten am nächsten Tag die nötigen Papiere aus. Im Geschmack würde sich krankes Fleisch von gesundem kaum unterscheiden. Und ein Mitarbeiter des Schlachtbetriebes sagt zum Informanten: «Menschen sind nicht wie Schweine – sie essen alles.»

Der Leiter des polnischen Hauptveterinäramts Pawel Niemczuk bestätigte die rechtswidrigen Praktiken: «Das war ein illegales Prozedere in der Nacht, als es keine Veterinäraufsicht gab.»

Kein Gesundheitsrisiko

Laut EU-Kommission sind nach bisherigem Stand ausser Polen auch Deutschland, Frankreich, Spanien, Estland, Finnland, Ungarn, Lettland, Litauen, Rumänien, die Slowakei, Schweden und Portugal betroffen. Das Ausmass ist noch nicht vollends klar, wie es hiess.

Polnische Behörden nehmen das Fleisch und die Produkte wegen der illegalen Schlachtung vom Markt, schlossen eine Gefahr für Gesundheit und Leben von Menschen jedoch aus. Das Fleisch und daraus erzeugte Produkte könnten verzehrt werden, teilten Veterinär- und Sanitäramt nach Untersuchungen mit.

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