14.06.2013 08:40
Quelle: schweizerbauer.ch - sda/afp
Ägypten/Äthiopien
Kriegsrhetorik wegen umstrittenen Nil-Staudamm
Im Konflikt mit Ägypten um einen geplanten Nil-Staudamm hat Äthiopien einen weiteren Schritt zur Durchsetzung des Projekts unternommen. Das Parlament ratifizierte am Donnerstag einen Vertrag mit mehreren weiteren Anrainerstaaten aus dem Jahr 2010 zur «gerechten Nutzung des Nilwassers», wie ein Regierungssprecher sagte.

Das Abkommen soll unter anderem verhindern, dass Ägypten und der Sudan mit ihrem Veto weiterhin Projekte am Nil stoppen können. Neben Äthiopien haben auch Burundi, Kenia, Ruanda, Tansania und Uganda den Vertrag unterzeichnet.  

Ägypten und der Sudan lehnen entschieden ab

Die Demokratische Republik Kongo und der seit 2011 unabhängige Südsudan haben angekündigt, dies ebenfalls zu tun. Die beiden anderen Anrainerstaaten, Ägypten und der Sudan, lehnen das Abkommen jedoch vehement ab. Es würde ihnen die Vetomöglichkeit und weitere Privilegien aus Verträgen von 1929 und 1959 entziehen.  

Damals befanden sich ihre Nachbarstaaten noch unter Kolonialverwaltung. Der äthiopische Regierungssprecher bezeichnete das neue Abkommen als «Antwort auf eine ungerechte koloniale Unterwerfung der Anrainerstaaten». Die Regelungen aus der Kolonialzeit verhinderten eine gerechte Nutzung der Ressourcen des Nils, erklärte er. Äthiopien will an dem Fluss einen Staudamm zur Stromerzeugung errichten.  

Kriegerische Rhetorik  

Das Wasserkraftwerk soll das leistungsstärkste in ganz Afrika werden. Ende Mai begann Äthiopien, zur Vorbereitung den Blauen Nil umzuleiten. Der Flusslauf soll schrittweise um 550 Meter verlegt werden. Der Blaue Nil und der Weisse Nil sind die beiden Hauptzuflüsse des längsten Stroms der Welt. 

Ägypten und Sudan, in dessen Hauptstadt Khartum die beiden Ströme zusammenfliessen, fürchten wegen des Staudammprojekts um ihre Wasserversorgung. Am Montag kündigte die ägyptische Regierung an, mit allen Mitteln gegen die Pläne vorzugehen.  

«Wenn auch nur ein Tropfen Nil-Wasser verloren geht, wird unser Blut die Alternative sein», sagte Präsident Mohammed Mursi. Es stünden «alle Optionen offen». Die äthiopische Regierung wies die «Rhetorik der Gewalt» umgehend zurück.

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