28.03.2014 10:33
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Ukraine
Krise trifft Bauern in Ukraine hart
In der Ukraine dürfte sich die wirtschaftliche und politische Krise negativ auf die Frühjahrsbestellung auswirken. Wie der ukrainische Agrarbusiness-Klub (UKAB) vergangene Woche feststellte, ist zu befürchten, dass der Anbau von Sommerkulturen um 20 % kleiner ausfällt als ursprünglich erwartet.

Demnach könnte die Agrarproduktion um rund 11 Mio. t und die Einnahmen der landwirtschaftlichen Betriebe um insgesamt gut 1,8 Mrd. Euro (2,2 Mrd. Fr.) sinken, erklärte UKAB-Präsident Alex Lissitsa gegenüber der Kiewer Wirtschaftszeitung „Delo“.

Finanzmangel

Lissitsa verwies auf den akuten Finanzmangel im Agrarsektor und die schlechte materiell-technische Ausstattung, weshalb die meisten Landwirtschaftsbetriebe nicht in der Lage seien, das notwendige hohe Tempo der Feldarbeiten zu gewährleisten. Im vergangenen Jahr habe die Mehrheit der Agrarproduzenten rote Zahlen geschrieben, und in dieser Saison sei der Zugang zu Krediten angesichts der allgemeinen Lage sehr schwierig.

Die Agrarproduktion leide aber auch unter einem untypischen Witterungsverlauf, stellte Lissitsa ausserdem fest. So habe in mehreren Regionen die Schneedecke gefehlt, was sich in einem Mangel an Bodenfeuchtigkeit niederschlage.

Krim-Häfen gelähmt

Wie „Delo“ außerdem berichtete, ist der Export von ukrainischem Getreide über die beiden Krim-Frachthäfen nach dem erklärten Anschluss der Halbinsel an Russland stark eingeschränkt. Die Handelsfirmen wagten es nicht mehr, das Getreide dorthin transportieren zu lassen. Vom Hafen Kertsch sei seit Ende des vergangenen Jahres praktisch kein Getreide mehr verschifft worden, und aus Sewastopol seien Anfang März nur kleinere Exportmengen abgegangen.

Die Exportströmewürden nach Odessa und andere ukrainische Schwarzmeerhäfen umgeleitet. Nach Aussage eines Vertreters des Kiewer Landwirtschaftsministeriums sei der Export von Getreide durch die Ereignisse auf der Krim aber nicht wesentlich beeinträchtigt, denn auf die Halbinsel seien nur 7% des gesamten Umschlags über die heimischen Seehäfen entfallen.

Gut 26 Millionen Tonnen Getreide exportiert

Die Getreidehandelsgesellschaften seien aber auch im Hinblick auf die Ausfuhren über die ukrainischen Häfen am Asowschen Meer beunruhigt, denn noch gebe es Unsicherheiten bei der Schiffsdurchfahrt durch die Meeresenge zwischen der Krim und dem russischen Festland.

Unterdessen berichtete der ukrainischeAnalysen- und Fachinformationsdienst ProAgro von einer Verlangsamung des Getreideexportes. Nach seinen Informationen belief sich dieser in der ersten März-Dekade auf nur noch gut 500'000 t gegenüber noch fast 900'000 t in den ersten zehn Tagen des Februars. Im Wirtschaftsjahr 2013/14 sind bis zum 19. März laut des Kiewer Agrarressorts insgesamt 26,1 Mio. t Getreide ausgeführt worden, darunter gut 7,5 Mio. t Weizen, fast 16,2 Mio. t Mais und etwa 2,2 Mio. t Gerste. Zudem hätten sich zum Stichtag rund 1,1 Mio. t Getreide in den Hafenspeichern befunden. 

Embargo nach litauischer Erklärung

Russland scheint indes die Einfuhr von Agrar- und Ernährungsgüter über den litauischen Hafen Klaipeda gestoppt zu haben. Wie russische und ukrainische Medien unter Berufung auf eine Erklärung des litauischen Staatspräsidenten Algirdas Butkevicius berichteten, haben die Hafengesellschaften in dem EU-Mitgliedstaat, aber auch Exporteure in Drittländern eine entsprechende Benachrichtigung aus Moskau erhalten.

Die Massnahme wird in Vilnius als Reaktion gesehen auf eine Erklärung des litauischen Parlaments, in der das Vorgehen Russlands auf der Krim als militärische Aggression und Okkupation eines Teils der Ukraine verurteilt worden ist und schärfere Sanktionen der Europäischen Union gegenüber Moskau gefordert werden. Butkevicius wies darauf hin, dass über Klaipeda jährlich mehr als 1 Mio. t Agrar- und Ernährungsgüter, die für Russland bestimmt seien, umgeschlagen würden.

Fjodorow: Lebensmittelversorgung gesichert

Derweil warnte Russlands Landwirtschaftsminister Nikolai Fjodorow vor jeglicher Panik aufgrund möglicher Beschränkungen der Lebensmittelimporte aus der Ukraine. Russland sei gegen eventuelle Angebotsdefizite gut geschützt, sagte der Minister. Diese beträfen ohnehin nur den Milch- und Fleischmarkt mit Importanteilen von 23% und 22%. Das Agrarressort verhandle derzeit mit anderen ausländischen Exporteuren. Dabei sei vor allem Weissrussland bereit, den Ausfall der Importe von Milch und Milcherzeugnissen aus der Ukraine auszugleichen.

Der erste Vize-Landwirtschaftsminister Weissrusslands, Leonid Marinitsch, übte indes Kritik an der Ukraine in Sachen Agrarhandel. Er sprach von einem erheblichen Ungleichgewicht. So seien nur 15 weissrussische Betriebe für Lieferungen von Lebensmitteln in das Nachbarland zugelassen, während es umgekehrt auf ukrainischer Seite 39 Betriebe seien. In den vergangenen zwei Jahren habe Kiew eine Zulassung weiterer weissrussischer Firmen stets verweigert, beklagte Marinitsch.

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