3.01.2014 09:11
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Lettland
Lettland: Euro schürt Angst und Unbehagen
Als 18. EU-Land zahlt seit Jahresbeginn nun auch Lettland mit dem Euro. Doch anders als die Regierung des baltischen Landes sind viele Letten nicht glücklich über die Abschaffung ihrer bisherigen Währung Lats.

Mit einem Feuerwerk in der Hauptstadt Riga, aber ohne grossen Jubel hat Lettland zur Jahreswende den Euro als neue Währung begrüsst. Zugleich mit dem Knallen der Silvesterraketen und Sektkorken ist die zwei Millionen Einwohner zählende Ostseerepublik an Neujahr das 18. Mitglied der Euro-Zone geworden.

Begeisterung bei Bevölkerung gering

Die meisten Politiker und Unternehmer des Baltenstaats sind von dessen Vorteilen überzeugt. «Die Einführung des Euro wird unserem Land eine Reihe von wirtschaftlichen Vorteilen bringen. Es wird unser Wirtschaftswachstum befördern, den Wohlstand steigern und unseren Lebensstandard erhöhen», ist sich Valdis Dombrovskis sicher.

Sichtbar stolz und zufrieden war der lettische Noch-Ministerpräsident demonstrativ einer der ersten, die kurz nach Mitternacht einen Euro-Schein aus einem Bankautomaten in der Innenstadt von Riga zogen. Doch in der Bevölkerung ist die Begeisterung über den «Eiro», wie der Euro auf lettisch heisst, gering. Viele fürchten sich vor steigenden Preisen und trauern ihrer bisherigen Währung Lats nach, die als Symbol für die 1991 wiedererlangte Unabhängigkeit von der Sowjetunion gilt.

Verbreitete Nostalgie-Gefühle

«Für Lettland als Land ist es gut, dass es der Euro-Zone beitritt. Und wirtschaftlich wird durch die neue Währung vieles einfacher», sagt Modedesigner Rolands Peterkops. Leicht melancholisch fügt er hinzu: «Doch es macht mich auch traurig, dass unser Lats nun für immer verschwindet.»

Damit ist er nicht allein - viele haben Nostalgie-Gefühle vor dem Euro-Start. Vor Weihnachten eilten zahlreiche Letten in die Banken, um die seit 2001 herausgegebenen Lats-Sonderprägungen zu kaufen. Im Holzrahmen in Landesform lagen sie als Geschenk verpackt unter vielen lettischen Christbäumen. Und auch die Lats-Kekse und die einem Fünf-Lats-Schein nachempfundene Schokoladen-Tafel eines Süsswaren-Herstellers waren in den Tagen vor Neujahr sehr beliebt.

«Der Lats ist für die Letten mehr ein Gefühl denn eine Währung. Mit ihm verlieren sie nun ein Stück Identität», sagt Jöran Steinhauer. Der in Riga lebende Deutsche traf mit seinem Abschiedslied «Paldies Latinam» (Danke kleiner Lats) den Nerv der Bevölkerung. Der Song wurde zu einem Internet-Hit - und lief in der Silvesternacht in vielen Kneipen und auf privaten Feiern.

Angst vor dem «Teuro»

Neben Wehmut geht in Lettland auch die Angst vor dem «Teuro» um - trotz zuletzt nur geringer Inflation ist sie überall spürbar. «Mit dem Euro wird sicherlich alles teurer - das beunruhigt mich schon», sagt etwa die Sozialarbeiterin Katrina Strode. Ähnlich äusserten sich auch Schaulustige, die die Euro-Einführungszeremonie verfolgten.

Noch zwei Wochen können die Letten echte Lats gegen ihre süssen Doppelgänger eintauschen oder damit bezahlen. Danach ist der Euro alleiniges Zahlungsmittel - für Finanzminister Andris Vilks und Zentralbank-Chef Ilmars Rimsevics ein Grund zur Freude: «Lettland wird die schönste Euro-Münze der Eurozone haben», sagen beide einhellig.

Lettland ist das ärmste Land des Euroraums

Das Motiv der Ein- und Zwei-Euro-Münzen soll es den Letten erleichtern, die neue Währung zu akzeptieren: Sie zeigt das Konterfei eines Trachtenmädchens, das bereits in der Zwischenkriegszeit die Fünf-Lats-Münze zierte. Auch auf dem seit 1993 sich im Umlauf befindlichen 500-Lats-Schein war sie abgebildet.

Doch diesen dürften nur die wenigsten Letten einmal in den Händen gehalten haben: Mit umgerechnet 711 Euro ist die Banknote fast genauso viel wert wie der aktuelle monatliche Durchschnittslohn (722 Euro). Und mehr als ein Viertel der Beschäftigten verdient ohnehin nur den zum Jahreswechsel auf 320 Euro angehobenen Mindestlohn - Lettland ist das ärmste Land des Euroraums.

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