24.02.2020 15:16
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Frankreich
Löhne: Bauernverband in Kritik
Der französische Bauernverband (FNSEA) hat Kritik an den Gehältern seiner führenden Mitarbeiter zurückgewiesen. Die Vergütung der betreffenden Personen liege unter den Standards für eine nationale Branchenvertretung dieser Größenordnung, erklärte der FNSEA am vergangenen Mittwoch in Paris.

Der Verband bekannte sich zugleich ausdrücklich zur Höhe der Vergütung seines Führungspersonals. Die Mitgliedsbeiträge der Landwirte würden ausschliesslich zum Wohle eines Berufsstandes in Bedrängnis eingesetzt. Zudem sei die Personalpolitik eine interne Angelegenheit.

Verband spricht von Abrechnung

Zuvor hatte die Internet-Zeitung „Mediapart“ einen ausführlicheren Artikel zu den Bezügen führender Angestellter des Verbandes veröffentlicht. Der FNSEA sieht darin einen Versuch, ihn zu destabilisieren. Es gehe bei dem Artikel mehr um Abrechnung als um journalistische Arbeit, so das Fazit. Nach Angaben der Bauernvertreter basiert der Artikel zudem auf internen Dokumenten, weshalb rechtliche Schritte eingeleitet werden sollen.

Laut „Mediapart“ liegen die Gehälter der etwa 120 FNSEA-Angestellten indes deutlich über denen in Unternehmen vergleichbarer Grösse und übertreffen auch die bei Gewerkschaften. Geschäftsführer Clément Faurax habe bei seinem Amtsantritt im April 2019 die Bezüge der meisten Führungspositionen zwischen 5% und 30% erhöht. Seine eigene Entlohnung sei um 22% gestiegen.

Verband macht Defizit

Der FNSEA-Geschäftsführer verdient nach Angaben von „Mediapart“ derzeit 13'400 Euro (14'300 Fr.) brutto pro Monat und damit 3'300 Euro (3'530 Fr.) mehr als Landwirtschaftsminister Didier Guillaume. Deutliche Gehaltserhöhungen gab es dem Bericht zufolge auch bei Faurax‘ Stellvertretern und Abteilungsleitern, die derzeit monatlich zwischen 7'400 Euro (7900 Fr. ) und 9'600 Euro (10'300 Fr.) erhielten.

Besondere Aufmerksamkeit widmet „Mediapart“ auch der vorherigen FNSEA-Geschäftsführerin Catherine Lion. Faurax’ Amtsvorgängerin erhielt demnach in den sechs Monaten nach ihrer Ablösung ein Grundgehalt von 8'900 Euro (9'500 Fr.)  sowie einen monatlichen Bonus von 6'000 Euro (6'400 Fr.), und zwar für eine auf drei Tage in der Woche beschränkte beratende Tätigkeit. In Vollzeit habe sie der Verband mit 14'800 Euro (15'800 Fr.) entlohnt.

Der FNSEA finanziert sich laut „Mediapart“ grösstenteils aus den Beiträgen seiner Mitglieder und öffentlichen Subventionen. Trotz Einnahmen von 6,3 Mio. Euro (6.74 Mio. Fr.) beziehungsweise 4,2 Mio. Euro (4.5 Mio. Fr.) aus diesen Quellen vergrössere sich das Defizit des Verbandes allerdings jedes Jahr.

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