14.02.2019 17:54
Quelle: schweizerbauer.ch - sda/aiz
EU
Mehr Kontrollen - keine Begrenzung
Das EU-Parlament ist für möglichst kurze Tiertransport-Zeiten. Eine Begrenzung auf acht Stunden fand im Plenum aber keine Mehrheit. Die Kontrollen sollen aber verschärft werden.

Angesichts oftmals quälender und langer Tiertransporte in Europa will das EU-Parlament bessere Kontrollen und härtere Strafen bei Rechtsverstössen durchsetzen. Eine entsprechende Entschliessung haben die EU-Abgeordneten in Strassburg am Donnerstag mit grosser Mehrheit angenommen.

Unzureichend umgesetzt

Jährlich werden mehrere Millionen Tiere in der EU transportiert - per Zug, Lastwagen oder Schiff. Die Kontrolle dieser Transporte liegt in der Verantwortung der EU-Staaten. Die schon im Jahr 2005 gefasste EU-Verordnung, die Tiere vor unnötigem Stress und Leid bewahren soll, werde aber unzureichend umgesetzt, bemängeln das EU-Parlament und Tierschutzorganisationen.

Die zurückgelegten Strecken seien viel zu lang, kritisiert der Deutsche Tierschutzbund. Viele Transporter würden überladen, die Pausenzeiten oft nicht eingehalten. Ausserdem würden Tiere auch bei zu hohen Temperaturen transportiert oder gar misshandelt.

Nicht transportfähige Tiere

Ein besonders verbreitetes Problem besteht laut einer vom EU-Parlament in Auftrag gegebenen Studie darin, dass Tiere auf Lastwagen verladen werden, die eigentlich nicht transportiert werden dürfen. So würden trächtige, kranke oder schwache Tiere nicht identifiziert oder aus wirtschaftlichen Gründen für transportfähig erklärt. Auch Kälber, die eigentlich noch am Euter ihrer Mutter tränken, würden häufig über lange Strecken befördert.

Nach Angaben des EU-Parlaments werden jedes Jahr rund 28 Millionen Schweine, 243 Millionen Hühner und vier Millionen Rinder länger als acht Stunden durch die EU gefahren. Vor allem auf solch langen Reisen verletzten sich Tiere oder würden krank, denn sie litten unter Platzmangel, fehlender Nahrung und der Bewegung des Fahrzeugs.

Beschluss rechtlich nicht bindend

In ihrer Entschliessung fordern die Abgeordneten nun, dass die Tiere künftig so wenig Zeit wie möglich in den Transportern verbringen müssen.
Ausserdem wird auf mehr unangekündigte Kontrollen und den Einsatz moderner Ortungstechnologien gepocht. Mitgliedstaaten, die Verstösse feststellen, sollen demnach EU-weit einheitliche Strafen verhängen, etwa Fahrzeuge beschlagnahmen oder - bei Wiederholungstätern - die Transporterlaubnis entziehen.

Anträge mit der Forderung, den Transport von Tieren in der EU auf höchstens acht Stunden zu begrenzen, bekamen dagegen keine Mehrheit. Bestehende Vorschriften der EU schreiben nach acht Stunden lediglich eine Pause vor. 

Die EU-Kommission soll nach dem Willen des EU-Parlaments auch Strafen gegen Länder verhängen dürfen, die sich nicht an EU-Recht halten. Transporte in Drittstaaten, in denen gegen die EU-Auflagen verstossen wird, seien konsequent zu verbieten.  Die Entschliessung ist rechtlich jedoch nicht bindend. Sie dürfte aber den Druck auf die EU-Kommission und die Mitgliedstaaten erhöhen, mehr für den Schutz der transportierten Tiere zu tun.

Das EU-Parlament will Langstrecken-Tiertransporte in Drittländer einschränken. Rinder stünden stundenlang an der Grenze zur Türkei in der Hitze, weil die Abfertigung so lange dauere, kritisierte der dänische Europaabgeordnete Jan Dohrman von der Fraktion der Konservativen. Er schlug in seinem Bericht ein Exportverbot von Tieren in Drittländer vor, die die Transportstandards der EU nicht einhalten.

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