11.03.2013 08:25
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
EU
Mehrerlös für EU-Produkte mit geschützter Herkunftsbezeichnung
EU-geschützte regionale Spezialitäten werden im Mittel mehr als doppelt so teuer verkauft wie Produkte ohne geographische Herkunftsbezeichnung. Zu diesem Ergebnis kommen französische Forscher in einer aktuellen Studie, die im Auftrag der Europäischen Kommission erstellt wurde.

Danach lag der Preis von ausgewählten Erzeugnissen mit geschützter Ursprungsbezeichnung (g.U.) oder geschützter geographischer Angabe (g.g.A.) 2010 auf Grosshandelsebene durchschnittlich um 223% über dem Preis der Vergleichsprodukte.

Mehrkosten der Produktion nicht berücksichtigt

Diese mit einer Indexformel berechnete „Premiumrate“ lag für Weine und Spirituosen besonders hoch (275% bzw. 257%). Für andere geschützte Produkte wie Käse oder Schinken fiel der Aufschlag mit 55% deutlich geringer aus. Zudem gab es grosse Unterschiede zwischen Produkten und Regionen: Der grösste Aufschlag wurde mit 422% für französischen Branntwein ermittelt, der geringste mit 7% für geschützte Nahrungsmittel - ohne Wein und Spirituosen - in Grossbritannien.

Die Autoren weisen darauf hin, dass diese Premiumrate nicht unmittelbar als zusätzlicher Gewinn interpretiert werden sollte, da eventuelle Mehrkosten der Produktion vorerst nicht berücksichtigt worden seien. Die Forscher errechneten aus den erzielten Aufschlägen ein Wertplus aller Produkte mit geographischer Herkunftsangabe von 29,8 Mrd. Euro (35,7 Mrd. CHF). Davon entfielen 65% auf Wein, 19% auf Nahrungsmittel und 16% auf Spirituosen.

Frankreich vorne

Der Gesamtwert EU-geschützter Produkte wird für 2010 auf 54,3 Mrd. Euro (65,2 Mrd. CHF) beziffert, darunter Weine im Wert von 30,4 Mrd. Euro, Lebensmittel für 15,8 Mrd. Euro (19 Mrd. CHF) und Spirituosen für 8,1 Mrd. Euro (9,72 Mrd. CHF). Unter den Nahrungsmitteln wiederum ragen Käse, Fleischerzeugnisse und Bier heraus.

Frankreich ist nach wie vor das Land, in dem besonders viele g.U. und g.g.A. produziert werden - 2010 waren es Waren im Wert von 20,9 Mrd. Euro (25,1 Mrd. CHF), davon rund drei Viertel Weine. In Italien verteilte sich der Wert hingegen ungefähr hälftig auf Weine und andere Erzeugnisse. Zusammen mit Spirituosen wurde so ein Umsatz von 11,8 Mrd. Euro (14,2 Mrd. CHF) erwirtschaftet. An dritter Stelle folgte Deutschland mit 5,7 Mrd. Euro (6,85 Mrd. CHF). In Grossbritannien wurden 80% des Umsatzes von 5,5 Mrd. Euro (6,6 Mrd. CHF) mit Whisky und anderen Spirituosen erwirtschaftet.

15% des Gesamtausfuhrwerts der EU-Agrarwirtschaft

Der größte Teil der EU-geschützten Waren (60%) verbleibt am nationalen Markt. Der Rest wird jeweils zur Hälfte entweder in die übrige EU oder nach Drittstaaten exportiert. Die Wissenschaftler schätzen den 2010 im Aussenhandel der EU mit g.U. und g.g.A. erzielten Wert auf 11,5 Mrd. Euro (13,8 Mrd. CHF). Das wären 15% des Gesamtausfuhrwerts der EU-Agrar- und Ernährungswirtschaft. Davon wiederum entfielen 91% auf Weine und Spirituosen und lediglich 9% auf andere Erzeugnisse.

Allein in die USA wurden geschützte Waren im Wert von 3,4 Mrd. Euro (4,1 Mrd. CHF) geliefert (30% der US-Gesamtimporte an Agrar- und Ernährungsgütern aus der EU). Danach folgten die Schweiz, Singapur und Kanada (Importe von 700 Mio. Euro bis 850 Mio. Euro (840 bis 1020 Mio. CHF). Die grössten Exporteure wiederum waren Frankreich, Grossbritannien und Italien. Die wichtigsten Produkte Champagner und Cognac, Whisky sowie Grana-Padano- und Parmigiano-Reggiano-Käse.

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