31.08.2018 17:38
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Kanada
Milch als Knackpunkt
Die Verhandlungen über ein neues Freihandelsabkommen zwischen den USA und Kanada sind schwierig. Die Landwirtschaft wird eine entscheidende Rolle spielen.

Ob sich beiden Staaten so rasch auf ein Abkommen einigen können, wird sich weisen. Der kanadische Sender CBC berichtete, ein zentraler Streitpunkt sei die Abschottung kanadischer Milchbauern und Geflügelzüchter mit Schutzzöllen, die US-Präsident Donald Trump regelmässig kritisiert. Eine Aufweichung will Kanada aber nicht zulassen. «Wir werden unsere Milchbauern schützen», versprach der Premierminister Justin Trudeau.

Die Kanadier schotten mit einem System aus Schutzzöllen, Festpreisen und Quoten die einheimischen Bauern vor Konkurrenz ab. Wie die «NZZ» berichtet, sind vor allem 12'000 Farmer in den Provinzen Ontario und Quebec «Nutzniesser» dieses Systems. Quebecs Premierminister Philippe Couillard will an den Schutzbarrieren festhalten. Der Erhalt der Agrarzölle habe höchste Priorität. Diese betragen bis zu 270 Prozent und haben zum Ziel, ausländische Produzenten von Milch, Butter, Käse und verwandten Produkten aus Kanada fernzuhalten.

Der Marktanteil der kanadischen Produkte ist entsprechend hoch. Bei den Milch- und Geflügelprodukten liegt dieser bei 90 Prozent. Rund 10 Prozent des Marktes wurden durch Freihandelsabkommen wie mit der EU geöffnet. 

Um doch noch einen Abkommen abschliessen zu können, will Premier Trudeau den US-Amerikanern zollfreie Einfuhrquoten für Milch zugestehen. Am Schutzsystem will er festhalten. Gemäss «NZZ» sollen die USA künftig bestimmte Vorprodukte für Käse einführen dürfen, was bisher nicht der Fall war. Im Nafta-Vertrag mit den USA und Mexiko ist der Milchmarkt bisher nicht geregelt.


Am Donnerstag hatten die Delegationen der USA und Kanadas bis in die Nacht hinein verhandelt. Kanada steht unter Druck, weil die USA und Mexiko sich bereits bilateral auf ein neues vorläufiges Abkommen geeinigt hatten. Die neue Vereinbarung soll nach dem Willen Trumps das 1994 geschlossene nordamerikanische Handelsabkommen Nafta ersetzen.

Trump wollte noch am Freitag einen Brief mit einem Verhandlungsergebnis an den Kongress schicken - von da an beginnt eine 90-Tage-Frist. 30 Tage lang hat er Zeit, Details nachzureichen. Insofern könnte ein Kompromiss sein, dass bis Freitag ein vorläufiges Abkommen in die Wege geleitet wird und noch strittige Details binnen 30 Tagen nachverhandelt werden.

Trump hatte sich am Donnerstag optimistisch gezeigt. «Ich denke, wir stehen kurz vor einem Deal», sagte Trump in einem Interview mit der US-Nachrichtenagentur Bloomberg. Ob es allerdings schon am Freitag ein klares Ergebnis geben wird, sei abzuwarten. «Kanada wird irgendwann einen Deal machen. Das könnte am Freitag sein oder innerhalb eines Zeitraums.» Trump hatte zuvor damit gedroht, in Kanada produzierte Autos könnten mit hohen Einfuhrzöllen belegt werden, falls es nicht zu einer Einigung kommen sollte. awp

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