7.09.2015 12:27
Quelle: schweizerbauer.ch - sda/rab/blu
Belgien
Milch-Mengenkürzung gegen Bonuszahlungen
Die Milchbauern in Europa fordern Massnahmen gegen die sinkenden Milchpreise in Europa. Sie schlagen eine Milch-Mengenkürzung gegen Bonuszahlungen vor. Um ihrem Ansinnen Nachdruck zu verleihen, sind am Montag Demonstrationen in Brüssel geplant - auch im EU-Viertel, wo am Nachmittag ein ausserordentliches EU-Agrarminister-Treffen stattfindet.

«Der EU-Milchmarkt ist überschwemmt, die Preise stürzen ab», fasst Romuald Schaber vom Europäische Milchbauern-Verband, European Milk Board (EMB), vor den Medien die Situation zusammen.

Mehrere Gründe

Für den Preiszerfall gibt es mehrere Gründe. Etwa die Milchmarktliberalisierung, die in der EU am 1. April vollendet wurde. Aber auch das Embargo Russlands macht den Milchbauern zu schaffen. Moskau hatte als Reaktion auf die EU-Sanktionen wegen der Ukraine-Krise den Import vieler Lebensmittel aus der EU beschränkt.

Das Russen-Embargo habe die Situation verschärft, doch die aktuelle Krise sei nicht von Himmel gefallen, sagte Schaber. Vielmehr sei sie die Folge einer ganzen Kette von Fehlentscheidungen. «Wir sind nun hier in Brüssel, um eine Korrektur zu fordern», sagte er.

Eine Exportoffensive, wie sie EU-Landwirtschaftskommissar Phil Hogan immer wieder als mögliche Massnahme ins Feld führt, lehnt das EMB jedoch ab. «Wenn die Nachfrage in fünf Jahren steigt, dann bin ich als Bauer in der Zwischenzeit pleite gegangen, sagt Sieta van Keimpens. Auch gegen Subventionen sprechen sich die Milchbauern aus. Erwin Schöpges warnt die EU-Agrarminister: »Wenn ihr uns mit Geld abspeisen wollt, dann werden wir unsere Proteste weiterführen.«

Forderungen der Bauern

Konkret fordern die Bauern die Einführung eines Instruments zur Reduktion der Milchproduktion in Krisenzeiten - ein so genanntes Marktverantwortungsprogramm. Dieses soll sich an einem Marktindex orientieren, der sich aus der Entwicklung von Produktnotierungen, dem Milchpreisen und den Erzeugungskosten zusammensetzt. Ist der Milchmarkt stabil, dann liegt der Index bei 100.

Fällt der Index unter 100, kann der Milchbauern nicht mehr kostendeckend produzieren - das so genannte 3-stufige Marktverantwortungsprogramm wird gestartet. Sinke der Index um 7,5 Prozent ab, dann »wird eine Frühwarnung ausgesprochen«, erklärt van Keimpens die erste Phase. Senke sich der Index um 15 Prozent, dann sollen die Bauern in einer zweiten Phase gegen den Verzicht von Milchproduktion einen Bonus erhalten. Dies geschehe auf freiwillige Basis, sagte van Keimpens weiter. Sinkt der Index um 25 Prozent ab, tritt die Phase drei in Kraft: die obligatorische Kürzung für eine bestimmte Zeit.

Demonstration im EU-Viertel

Gegen Mittag demonstrierten bereits mehrere Hundert Landwirte mit Fahnen, Transparenten und einem Hupkonzert im EU-Viertel in Brüssel, um ihrem Anliegen Nachdruck zu verschaffen. Denn am Nachmittag findet dort ein Sondertreffen der EU-Agrarminister in Brüssel statt.

Diese beraten jedoch nicht nur über die schwierige Situation auf dem Milchmarkt. Auch die Schweinefleischproduzenten sind von einem Preiszerfall stark betroffen.

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE