3.05.2018 13:50
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Deutschland
Milch: Preise brechen ein
Schlechte Kunde für deutsche Milchviehhalter. Discounter Aldi senkt die Preise für Milch um mehr als 10 Prozent. Begründet wird der Abschlag mit einer Überproduktion. Butter hingegen wird im Laden teurer.

Die Preise in Deutschland werden jeweils für 6 Monate vereinbart. Der 1 Mai war der Stichtag für neue Halbjahres-Lieferverträge zwischen Detailhandel und den Molkereien für Trinkmilch und anderen Produkte im tieferen Preissegment.

Mitbewerber ziehen mit

Die Discounter Aldi Nord und Süd gehen voran und senken die Preise. Seit Donnerstag kostet ein Liter frische Vollmilch in der untersten Preiskategorie noch 69 Cent (83 Rp.). Das sind 9 Cent weniger als zuvor. Fettreduzierte Milch gibt um 7 Cent nach und kostet bei Aldi noch 61 Cent (73 Rp.), wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) berichtet. Damit tauchen die Preise um 11.5 Prozent respektive 10.3 Prozent.

Für die Produzenten ist der Schritt von Aldi zusätzlich ein schlechtes Signal, weil die von Aldi vereinbarten Preise für die anderen Detailhändler als Orientierungswert dienen. Und die Mitbewerber ziehen dem Discounter gleich. Rewe will die Preise zeitnah senken, Norma tätigt diesen Schritt umgehend und zieht mit Aldi gleich. Auch Lidl hat eine Preissenkung bekanntgegeben.

Zu viel Milch

Begründet wird der Preissturz mit der gestiegenen Milchmenge. Die Lage auf den internationalen Märkten sei aber nicht eindeutig, sagt Björn Börgermann vom Milchindustrieverband. In Irland und Neuseeland sei die Produktion gesunken, die USA hätten die Produktion ausgedehnt.

Bei den Milchbauern ist die Stimmung schlecht. Sie rechnen damit, dass die Produzentenpreise bald sinken werden. «Es gibt zu viel Milch auf dem Markt. Und die Molkereien haben sich in der Folge gegenseitig unterboten», sagt Hans Foldenauer vom Deutschen Milchviehverband gegenüber dpa. Die Zeche müssten die Bauern in Form von tieferen Preise bezahlen. Gemäss Foldenauer liegt der Produzentenpreis noch über 30 Cent (36 Rp.). Vor gut zwei Jahren waren die Preise infolge Überproduktion und geringerer Nachfrage aus Russland und China teilweise auf unter 20 Cent pro Kilo gesunken.

Verbindliche Verträge und Marktkriseninstrument

Mit steigenden Preisen für die Bauern ist nicht zu rechnen. Diese müssten aber steigen. Die durchschnittlichen Milcherzeugungskosten lagen im Januar bei 41,81 Cent/kg. Damit entsteht pro Kilo Milch ein Verlust von rund 10 Cent. «Für uns Milchviehhalter ist es daher elementar, dass sich der Milchmarkt weitestgehend im Gleichgewicht befindet», lässt sich Stefan Mann, Vorsitzender des Bundesverbands Deutscher Milchviehhalter, in einem Communiqué zitieren.

«Drückende Übermengen und die eingelagerten Milchpulverberge sind Gift für die Produzentenpreise. Die völlig unterschiedliche Interessenslage zwischen Molkereien und Milchviehhaltern – möglichst günstiger Rohstoffeinkaufspreis versus möglichst hoher Milcherzeugerpreis -  führt angesichts des bestehenden Marktmachtgefälles zu Ungunsten der Milchviehhalter aber dazu, dass immer etwas zu viel Milchmenge auf dem Markt ist», so Mann. Mit verbindlichen Verträgen sowie der Installierung eines Marktkriseninstruments auf EU-Ebene, mit dem Krisen durch stufenweise Anpassungen des EU-Milchangebots an die reale Nachfrage effektiv und vor allem frühzeitig entgegengewirkt werden kann, müsse für einen ausgeglichenen Milchmarkt gesorgt werden, fordert er.

Hohe Nachfrage nach Fett  

Im Gegensatz zur Milch erhöhte Aldi die Butterpreise am Donnerstag deutlich. Der Preis für das 250-Gramm-Stück stieg bei Aldi Nord und Süd um 20 Cent auf 1,79 Euro (2.15 Fr.). Das bedeutet einen Anstieg von rund 12,6 Prozent. Auch hier dürfte die Konkurrenz bald nachziehen.

Zurückzuführen ist der Preisanstieg bei Butter auf die hohe Nachfrage nach Fett. «Der Fettgehalt in der Rohmilch ist Anfang des Jahres niedriger gewesen», sagt Börgermann. Gleichzeitig sei viel davon für die Herstellung von fetthaltigerem Käse benötigt worden. «Hier hatte man eine bessere Verwertung », so Börgermann. Mit der Spargelsaison werde der Butterkonsum zusätzlich angekurbelt. Ende 2017 stieg der Butterpreis für 250 Gramm gar auf 1.99 Euro (2.35 Fr.).

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