15.12.2017 16:06
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Europäischer Milchmarkt
Milch: Preise unter Druck
Die Aussichten für die europäischen Milchbauern sind wenig erbaulich. An den Börsen haben die Preise massiv nachgegeben. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Produzentenpreise sinken, ist damit deutlich gestiegen.

Im 2017 haben sich die Produzentenpreise in Europa erholt. Das sah vor noch nicht allzu langer Zeit ganz anders aus. Im ersten Halbjahr 2016 unterschritten die Erzeugerpreise teilweise die 20 Cent-Marke (22 Rp.) je Kilo. Für die Milchbauern war die Lage verheerend und existenzbedrohend, die Bauern mussten sich verschulden. Nicht wenige Betriebe gaben in der Folge die Produktion auf.

Gründe für das Absinken der Preise waren die Aufhebung der Milchkontingentierung im April 2015, der wegfallende russische Markt und eine geringere Nachfrage nach Milchprodukten in Europa und China.

Erholung seit Mitte 2016

Im zweiten Halbjahr 2016 begannen die Bauern die Produktion zu drosseln. Zudem schüttete die Europäische Union und die EU-Staaten Nicht-Lieferprämien aus. Weiter wurde Milch verpulvert und eingelagert. Dies führte zu einer spürbaren Entlastung, aber zu riesigen Milchpulverlagerbeständen. Dank dieser Massnahmen begannen die Preise stetig zu steigen.

2017 setzte sich die Preiserholung fort. Besonders die steigende Nachfrage nach Milchfett schlug sich in den Ladenpreisen nieder. Die Butterpreise in den Regalen erreichten Höchststände. Für die Bauern wirkte sich dieser Effekt in höheren Preise aus. Der durchschnittliche Produzentenpreis in Deutschland stieg auf 38 Cent (44 Rp.) je Kilo, in den Monaten zuvor wurden noch 35 Cent (42 Rp.) ausbezahlt. Die Produzentenpreise dürften aber bald unter Druck geraten. Darauf deuten mehrere Punkte hin.

Kieler Rohstoffwert eingebrochen

Der Milchpreisvergleich des niederländischen Bauernverbandes LTO weist für Oktober zwar bei einigen Molkereien einen höheren Auszahlungspreis aus. Die 15 in der Erhebung erfassten Molkereiunternehmen aus neun EU-Ländern (Standardmilch mit 4,2% Fett und 3,4% Eiweiss) zahlten im Schnitt 36,86 Cent/kg Milch (43 Rp.) aus. Das waren 0,12 Cent mehr als im September. Das Vorjahresniveau wurde um 7,0 Cent oder 23,6% übertroffen. Für November oder Dezember hat laut LTO mit Ausnahme von Dairy Crest kein weiteres Unternehmen Preiserhöhungen in Aussicht gestellt. Die grossen Molkereien wie Arla, FrieslandCampina oder DMK kündigten (noch) unveränderte Auszahlungspreise an.

Regelrecht eingebrochen ist der Rohstoffwert Milch des Instituts für Ernährungswirtschaft (IFE) in Kiel. Dieser ist im November im Vergleich zum Oktober regelrecht abgesackt. Der Rohstoffwert lag bei nur noch bei 32,9 Cent (38.4 Rp.). Das Minus betrug 4 Cent (7.47 Rp.) oder 16,3 Prozent und war so stark war wie selten zuvor. Zudem wurde erstmals seit Juni 2016 auch das Vorjahresniveau wieder unterschritten. Im November 2016 kam der Rohstoffwert bei 33,8 Cent (39.5 Rp.) zu liegen.

Begründet wurde das massive Absinken vom IFE mit den zuletzt nicht mehr so lukrativen Verwertungsmöglichkeiten der Milch über den Butterverkauf. Der Rohstoffwert Milch gilt für Standardmilch mit 4% Fett und 3,4% Eiweiss, ab Hof und ohne Mehrwertsteuer. Berechnungsbasis sind die Bruttoerlöse für Butter und Magermilchpulver. Er gibt nicht den Auszahlungspreis einer bestimmten Molkerei an, er gilt aber als wichtiger Indikator für die Preisentwicklung bei Milchprodukten in Deutschland und Europa.

Spotmilchpreise tauchen um 37 Prozent

Und die Aussichten auf dem europäischen Milchmarkt trüben sich weiter ein. Die Preise für Spotmilch, die zwischen den Molkereien gehandelt wird, brach richtiggehend ein. Wie agrarheute.com berichtet, lag der Spotmilchpreis in diesem Tagen bei 27 Cent (31.6 Rp.) Damit ist der Preis seit Monatsbeginn um 3 Cent gesunken, vor vier Wochen lag der Preis noch 7 bis 8 Cent höher. Im Vergleich zum Oktober sind die Spotmilchpreise rund 10 Cent niedriger. Im Vergleich zur Preisspitze von September mit 42,5 Cent beläuft sich der Rückgang auf 15,5 Cent oder 37 Prozent. Letztmals waren die Preise im Juli 2016 so tief.

Die Spotmarktpreise für Rohmilch gelten im Allgemeinen als Frühindikator für die Preisentwicklung am Milchmarkt. Ein Spotmarkt ist der ökonomische Ort, an dem Angebot und Nachfrage von Kassageschäften (Geschäft an der Börse, das "sofort", d.h. innerhalb einer Frist (2 Tagen) erfüllt werden muss) aufeinandertreffen.

Steigende Milcheinlieferungen

Grund für das Sinken der Preise dürften die deutlich höheren Milcheinlieferungen sein. Seit September haben diese markant zugenommen. Gemäss agrarheute.com war zu Beginn des Dezembers die wöchentliche Milchanlieferung in Deutschland 4,2% höher als im Jahr zuvor. Mitte November übertraf die Anlieferungsmenge den Vorjahreswert zeitweise um 5,4%.

Weil die Differenz zwischen den Produzentenpreisen und den Preisen an der Börse deutlich zugenommen hat, hat gemäss agrarheute.com die Wahrscheinlichkeit einer Preiskorrektur nach unten erheblich zugenommen.

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