23.01.2017 18:37
Quelle: schweizerbauer.ch - blu/Video: rab
Europäischer Milchmarkt
«Milchbauern nicht zu Sozialhilfeempfängern machen»
Europäische Milcherzeuger fordern gesetzlichen Rahmen für reguläres Kriseninstrument. Erwin Schöpges, Vorstandsmitglied des European Milk Board, äussert sich im Interview mit schweizerbauer.ch zur Lage der Europäischen Milchbauern. Die Krise sei noch nicht vorbei.

Man wolle nicht mehr und nicht weniger als kostendeckende Preise und damit eine angemessene Entschädigung für die geleistete Arbeit. Dies war die klare Botschaft des European Milk Board (EMB) an deren Pressekonferenz im Rahmen der Grünen Woche in Berlin am vergangenen Freitag.

Deckelung möglich machen

Das EMB kritisiert die Europäische Union für deren Vorschläge zur Intervention auf dem Milchmarkt. Zwar habe die Union eine Marktbeobachtungsstelle installiert. «Diese Stelle beobachtet aber nur. Das nützt aber nicht viel bei Krisen. Hier muss diese Stelle eingreifen können und dazu benötigen wird den gesetzlichen Rahmen», macht Schöpges im Interview mit schweizerbauer.ch deutlich.

2016 hat die EU eine Drosselungsprämie von 14 Cent pro Kilo Milch ausbezahlt. «Dieser Effekt bringt aber nichts, wenn andere Bauern dieselben Mengen sogleich wieder produzieren. Deshalb muss die Möglichkeit geschaffen werden, dass die Produktion EU-weit gedeckelt werden kann. Parallel dazu kann man die Drosselungsprämie für den freiwilligen Lieferverzicht als Mittel einsetzen», fährt der Belgier fort.

Gefahr für Entwicklungsländer

Eine weitere Gefahr für die Milchbauern sieht Schöpges bei der Auslagerung von Milchpulver. Die EU hat im vergangenen Jahr über 4 Milliarde Kilo Milch bei Interventionen als Milchpulver eingelagert. Das EMB will deshalb am 23. Januar in Brüssel demonstrieren. «In Belgien produzieren wir jährlich 3,5 Mrd. Kilo. Das heisst, das in Europa riesige Mengen an Milch herumliegen», so Schöpges. Wenn diese Menge nun wieder auf den Markt gelange, sei mit Preisdruck zu rechnen.

Diese Massnahme dürfe nicht mehr angewendet werden. «Die Gefahr ist gross, dass das Milchpulver in Entwicklungsländern landet. Unser Pulver verschlimmert die Lage in diesen Ländern. Es werden dort die bäuerlichen Strukturen wegen unserer Politik zerstört», betont das EMB-Vorstandsmitglied. Das dürfe nicht sein.

Bauern unter grossem Druck

Schöpges selbst erhält derzeit einen Milchpreis von 33 bis 34 Cent. «Dies reicht gerade, um die Kosten zu decken, ohne Arbeitslohn», fährt er fort. In den vergangenen beiden Jahren lag der Preis in Belgien deutlich unter 30 Cent. Das setzt die Bauern massiv unter Druck.

Es sei einerseits der finanzielle Druck, aber andererseits ein moralischer Druck. Zahlreiche Bauern seien demotiviert, da sie ihre Familien nicht mehr ernähren können. Viele Milchbauern haben deshalb aufgehört zu melken, betont Schöpges. «Es darf nicht das Ziel der Politik sein, Milchbauern zu Sozialhilfeempfängern zu machen», so die mahnenden Worte des EMB-Vorstandmitgliedes.

Das European Milk Board ist eine Interessensvertretung für Milcherzeuger in Europa. Der Verband hat Mitglieder in 16 europäischen Ländern und repräsentiert etwa 100'000 Milchproduzenten. Als Schweizer Mitgliedorganisationen sind BIG-M und Uniterre dabei. 

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