23.11.2016 10:20
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Europäischer Milchmarkt
Milchmarkt muss krisenfester werden
Der Deutsche Bauernverband (DBV) und die Landwirtschaftskammer Österreich haben Politik und Milchwirtschaft dazu aufgerufen, rechtzeitig die Weichen für die Bewältigung neuer Milchmarktkrisen zu stellen.

Bei einem Gespräch wiesen DBV-Vizepräsident Karsten Schmal und der Milchbeauftragte der Kammer, Josef Moosbrugger, vergangene Woche in Wien darauf hin, dass die Intervention und die Beihilfe zur privaten Lagerhaltung in der vergangenen Marktkrise die kurzfristig wirksamsten Instrumente gewesen seien, um den Milchpreis vor einem weiteren Absturz zu bewahren.

Modernisierung der Lieferbeziehungen

In jedem Fall sei die Intervention deshalb als erprobtes Kriseninstrument auch in der nächsten Reform der EU-Agrarpolitik zu erhalten. Nach Auffassung von Schmal und Moosbrugger bedarf allerdings das Niveau der Interventionspreise einer Überprüfung. Auf nationaler Ebene befürworten die Landwirtschaftskammer Österreich und der Bauernverband eine steuerlich begünstigte Risikoausgleichsrücklage. Einen grossen Teil der Verantwortung sehen die beiden Verbände allerdings bei den Akteuren auf dem Milchmarkt.

Insbesondere müssten die Landwirte und ihre genossenschaftlichen Molkereien über eine Modernisierung der Lieferbeziehungen für kommende Krisen vorsorgen, betonten Schmal und Moosbrugger. Dabei kann sich der DBV-Vizepräsident vorstellen, dass der deutsche Berufstand beim Branchendialog die Aktivitäten der Agrarmarkt Austria (AMA) zum Vorbild nimmt, die beispielsweise erfolgreich EU-Mittel zur Absatzförderung abrufe. Auch die erfolgreiche Besetzung von Nischen durch die österreichische Milchwirtschaft, etwa mit „Heumilch“ oder „Bio-Wiesenmilch“ sei beispielgebend, betonte Schmal.

Gegen nationale Alleingänge

Die Molkereien sehen Schmal und Moosbrugger in der Pflicht, internationale, nationale und regionale Märkte zu erschliessen und entsprechend die unterschiedlichen Anforderungen dieser Märkte zu befriedigen. Eine Diversifizierung des Milchmarktes durch freiwillige Systeme, wie beispielsweise das EU-geschützte Bergerzeugnis, sei darüber hinaus zu begrüssen, weil diese den Molkereien helfe, stabilere Preise für die Milchbauern zu gewährleisten und durch höhere Preise für benachteiligte Strukturen eine Perspektive zu bieten.

DBV und Kammer fordern jedoch, dass private Labels den Konsumenten nicht täuschen und damit den Wettbewerb nicht verzerren dürften. Die derzeitigen nationalen Alleingänge bei der Herkunftskennzeichnung von Milch, so in Italien und Frankreich, dürften nicht zu einer Störung des Binnenmarktes führen, warnten der DBV-Vizepräsident und der österreichische Milchmarktexperte.

Die Verbandsvertreter unterstrichen zudem, dass die Politik für das erfolgreiche Bestehen auf globalisierten Märkten auch die Wettbewerbsfähigkeit aller Milchbauern im Blick haben müsse. Überbordenden und nicht praktikablen Tierschutz- und Umweltstandards müsse deshalb eine Absage erteilt werden, erst recht nationalen Alleingängen in diesen Fragen.

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