8.11.2015 06:22
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Deutschland
Milchpreiserhöhungen kommen nicht zu Produzenten
Die von Discountern wie Aldi und Lidl in den vergangenen Monaten in Deutschland angekündigten Preiserhöhungen um 4 Cent bis 5 Cent je Liter Trinkmilch zum Wohle der Erzeuger sind für Mecklenburg-Vorpommerns Landwirtschaftsminister Dr. Till Backhaus nur ein Marketingcoup.

„Man muss es den Unternehmen lassen, dass sie die Milchkrise wahrnehmen und mit höheren Verkaufspreisen reagieren. Doch bei den Milchbauern kommt kein einziger Cent davon an“, erklärte der Minister am Dienstag vergangener Woche in einer Pressemitteilung. Nach seiner Ansicht nutzten die Discounter die miserable Lage der Bauern aus, um auf ihre Kosten eine öffentlichkeitswirksame PR-Kampagne zu fahren. Frei nach dem Motto: „Schaut her, wir tun doch was.“

Letztendlich müsse die Frage gestellt werden, ob hier nur die Chance ergriffen worden sei, „den Verbrauchern eine versteckte Preiserhöhung unterzujubeln“. Backhaus wies bei seiner Kritik auf den anhaltenden Rückgang der Milcherzeugerpreise hin: Die Bauern hätten im August 2014 für ein Kilogramm Milch im Bundesdurchschnitt 37,1 Cent erhalten; ein Jahr später seien es nur noch 27,8 Cent und in Mecklenburg-Vorpommern sogar nur 26,6 Cent gewesen.

Im September erlösten die Kuhhalter dem Schweriner Agrarressortchef zufolge im nordöstlichen Bundesland im Mittel nur noch 26,1 Cent - und die Reise gehe trotz der Trinkmilchpreiserhöhung weiter abwärts, aktuell in Richtung 25 Cent. Backhaus beklagte angesichts dieser Zahlen, dass der Lebensmitteleinzelhandel am längeren Hebel sitze und den „Markt auspresse, bis bald keine Milchbauern mehr in unserem Land sind“. Der Minister monierte zudem, dass wichtige Milchveredlungsprodukte wie der Käse bei den Preiserhöhungen ausgelassen worden seien.

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