20.10.2013 11:16
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
EU
Milchproduktion in der EU steigt wieder
Die Molkereiunternehmen in der Europäischen Union werden in den kommenden Monaten und auch im nächsten Jahr wieder mehr Milch verarbeiten können. Davon geht zumindest die EU-Kommission in ihrer aktuellen Beurteilung des Milchmarktes aus.

Sie prognostiziert für die Gemeinschaft 2014 eine Zunahme der Milcherzeugung von mehr als 1 % gegenüber dem laufenden Jahr. Für die wieder expansiveren Tendenzen machen die Brüsseler Analysten mehrere Faktoren verantwortlich: Nach dem ungewöhnlich nassen und kalten Winter seien die Witterungsbedingungen zuletzt in vielen EU-Staaten wieder günstiger gewesen und würden sowohl bei Rau- als auch beim Kraftfutter zu einem umfangreicheren und günstigeren Angebot im Vergleich zum Milchwirtschaftsjahr 2012/13 führen. Zudem dürften die hohen Milchpreise die Produktion anregen. Aus den bisher vorliegenden Viehzählungsergebnissen des Frühsommers sei abzulesen, dass die EU-Milchbauern erstmals seit 20 Jahren ihre Kuhherden wieder leicht aufgestockt hätten, und zwar um 1,1 %.

Nachdem die EU-Milchanlieferungen an die Molkereien im Vergleich zum entsprechenden Vorjahreszeitraum im ersten Quartal 2013 um 2,7 % und im zweiten um 1,2 % rückläufig waren, rechnet die EU-Kommission deshalb für das zweite Halbjahr mit einem höheren Rohstoffaufkommen. Dabei sieht sie sich durch die im Juli und August tatsächlich überlieferte Vorjahreslinie bestätigt. Im Kalenderjahr 2013 soll die den EU-Molkereien angediente Menge noch auf 139,8 Mio t steigen; das wären trotz des schwachen ersten Halbjahres 0,2 % mehr als 2012. Im kommenden Jahr dürfte der Zuwachs in der erweiterten EU-28 mit 190 000 t oder 1,3 % auf 142,3 Mio t dann noch größer ausfallen. Die nicht nur in Europa wieder steigende Milchmenge wird nach Einschätzung der EU-Kommission auch die Preise für Milcherzeugnisse wieder unter Druck setzen, doch dürften diese vorerst ihr überdurchschnittliches Niveau behalten.

Noch Spielraum für höhere Milchpreise vorhanden

In der ersten Jahreshälfte 2013 hatte die geringere Verfügbarkeit des Rohstoffs Milch die Herstellung von Molkereierzeugnissen in der EU gebremst, so dass laut EU-Kommission die sich bietenden Exportmöglichkeiten nicht vollständig genutzt werden konnten. Da auch in Neuseeland und Australien Milch fehlte, machte sich am Weltmarkt die knappe Angebotssituation in immer stärker steigenden Notierungen für Molkereierzeugnisse bemerkbar. Ende September 2013 lagen die Preise für Butter und Vollmilchpulver in der EU rund 30 % über ihrem Vorjahresniveau; mit Magermilchpulver und Standardkäsesorten ließ sich ein Fünftel mehr Geld erlösen. Auch die Auszahlungspreise für die Erzeuger kletterten mit zeitlicher Verzögerung nach oben. Im Juli 2013 lagen sie im EU-Durchschnitt mit 36,40 Cent/kg um 5,38 Cent/kg oder gut 17 % über dem Vorjahresniveau. Soviel mussten die Molkereiunternehmen in einem Juli noch nie für die Rohmilch bezahlen. Und das Milchgeld für die Erzeuger dürfte sich in den nächsten Monaten noch weiter erhöhen.

Leitet man den Milchpreis allein aus den Erlösmöglichkeiten für Magermilchpulver und Butter ab, dann war die Milch ab Hof laut Kieler Informations- und Forschungszentrum für Ernährungswirtschaft (ife) im September 45,6 Cent/kg wert; der niederländischen Bauernverband (LTO) errechnete für die EU im August einen Rohstoffwert von gut 44 Cent/kg. Auch wenn die Preise für Milcherzeugnisse bei der internationalen Versteigerungsplattform Global Dairy Trade (GDT) zuletzt kaum noch stiegen oder sogar leicht nachgaben und auch an der deutschen Butter- und Käsebörse in Kempten die Milchpulverpreise etwas unter Druck gerieten, dürften sich die Milcherzeugerpreise wegen längerer zeitlicher Anpassungsfristen zunächst noch weiter nach oben entwickeln.

Trendprodukt Käse

Nach Einschätzung der EU-Kommission wird ein größerer Teil der wieder steigenden Milcherzeugung von den Verarbeitern für die Käseherstellung genutzt werden. Mangels Rohstoffverfügbarkeit musste diese im ersten Halbjahr 2013 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 0,5 % eingeschränkt werden, doch dürfte die höhere Milchanlieferung in der zweiten Jahreshälfte die EU-Käseerzeugung im Gesamtjahr noch um 1,0 % auf 9,57 Mio t steigen lassen. Der Absatz sollte für die Hersteller kein Problem sein, denn sowohl die Verbraucher in der Gemeinschaft als auch diejenigen in Drittländern fragen immer größere Mengen nach. Die Kommission schätzt den internen Verbrauchszuwachs in der EU-27 in diesem Jahr auf 0,6 %, womit sich die Verwendungsmenge am Binnenmarkt auf fast 8,5 Mio t belaufen würde.

Für den Export kalkulieren die Brüsseler Experten im Vergleich zum Vorjahr mit einem Anstieg um 5 % auf 815 000 t. In der erweiterten Gemeinschaft der 28 Staaten soll die Käseerzeugung 2014 dann mit knapp 9,76 Mio t das diesjährige Niveau um fast 90 000 t oder 0,9 % übertreffen. Von der Mehrproduktion dürften rund 63 000 t Abnehmer in der EU finden und damit zu einem Gesamtverbrauch von annähernd 8,66 Mio t führen. Für die Käseausfuhr in Drittländer erwartet die Kommission im kommenden Jahr einen Zuwachs um 24 000 t oder 3,0 % auf 830 000 t, wobei dann die Lieferungen nach Kroatien nicht mehr als Drittlandsexporte zählen.

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