27.03.2015 07:42
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Europäischer Milchmarkt
Milchquoten: Am 1. April ist Schluss
Vor rund acht Monaten hatten sich Bauern in Brüssel versammelt, um vor der bevorstehenden Milchmarktliberalisierung in der EU zu warnen - darunter waren auch Schweizer Bauern. Geändert hat es nichts: Ende März läuft das EU-Milchquotensystem definitiv aus.

Damals bei der Aktion im Sommer legten die Bauern als symbolischen Akt auf dem Place de Luxembourg vor dem EU-Parlament eine rote Plastikkuh mit Schweizerkreuz auf den Rücken - als Zeichen der Kapitulation vor der Liberalisierung. Denn die Schweiz hatte die Milchkontingentierung bereits im Mai 2009 abgeschafft. Die blaue Kuh mit den gelben EU-Sternen durfte damals bei der Protest-Aktion stehen bleiben.

Ausfuhren deutlich zugenommen

Doch ab dem 1. April ist auch der Milchmarkt in der EU liberalisiert. Als vor 31 Jahren Milchquoten eingeführt wurden, sollten mit deren Hilfe die Butterberge und Milchseen in der EU abgebaut werden, sagte EU-Agrarkommissar Phil Hogan am Donnerstag in Brüssel.

Heute hingegen steige die Nachfrage nach Milch und Milchprodukten, sagte er weiter und verwies auf den steigenden Konsum in China und Afrika. «Auch mit Quoten nahmen die Ausfuhren von Milcherzeugnissen aus der EU in den vergangenen fünf Jahren mengenmässig um 45 Prozent und wertmässig um 95 Prozent zu», schreibt die EU-Kommission.

Fokus auf Mehrwertprodukte

Daher kommt für Hogan das Ende der Milchquote zu einem guten Zeitpunkt: «Wenn sich der Milchsektor verstärkt auf Mehrwertprodukte und Zutaten für funktionelle Lebensmittel konzentriert, kann er zu einer Triebkraft für die Wirtschaft der EU werden.» Im Auge hat der EU-Kommissar etwa Käse und Joghurt sowie Milchzucker - in Fachjargon Lactose genannt -, der etwa in Sportgetränke gemixt wird.

Hogan räumte ein, dass das Ende der Milchkontingente auch «eine Herausforderung» für die Bauern bedeute, da sie nun «mit den Volatilitäten des Marktes» zu leben hätten. Laut dem Agrarkommissar bietet Brüssel den Milchbauern aber verschiedene Instrumente zur Unterstützung an - etwa gegen allzu grosse Preisschwankungen. Auch die Bergbauern erhalten Hilfe.

Trotz Aufgabe der Kontingente rechnet Hogan aber nicht mit einer Milchschwemme. Die Milchproduktion sei 2014 in der EU um 5,5 Prozent gestiegen, «die Preise haben das gut verkraftet». Man könne daher dem 31. März mit «Optimismus entgegensehen».

Milchpreise in der Schweiz gesunken

Die Milchbauern in der EU sind hingegen weit weniger optimistisch. Der europäische Dachverband der Milchbauer EMB hat deshalb am kommenden Dienstag erneut zu einer Aktion aufgerufen - mit dabei wieder Bauern aus der Schweiz. Denn seit der Milchmarktliberalisierung in der Schweiz ist die Milchmenge gestiegen und der Preis gesunken.

Laut Sandra Helfenstein vom Schweizer Bauernverband liegt das Problem darin, dass es bis anhin nicht gelungen ist «ein kluges Nachfolgesystem zur Kontingentierung zu finden, um Nachfrage und Angebot im Gleichgewicht zu halten». So etwa bekämen viele Bauern für Molkereimilch heute lediglich 50 Rappen, was jedoch nicht reiche, die Produktionskosten zu decken, sagte Helfenstein.

Der Schweizer Bauernverband geht jedenfalls davon aus, dass in der EU das Gleiche geschehen wird wie in der Schweiz. Würde die Kuh-Aktion vom Sommer also am Dienstag wiederholt, dürfte nicht nur die Schweizer Kuh, sondern auch die blaue EU-Kuh mit den gelben Sternen alle Viere von sich strecken.

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