23.01.2015 08:02
Quelle: schweizerbauer.ch - sda/blu
Konjunktur
Milliardenprogramme: Ein Überblick
Milliardenschwere Programme zum Kauf von Staatsanleihen («Quantitative Easing» - QE) haben prominente Vorbilder. Am Donnerstag verkündete die Europäische Zentralbank ein billionenschweres Ankaufprogramm für Anleihen.

USA

Die US-Notenbank Federal Reserve setzte bis vergangenen Oktober auch dieses Mittel ein, um die darbende heimische Wirtschaft zu stützen. Ende 2008 begannen die US-Notenbanker mit der ersten Runde, dem QE1, als sie langlaufende Staatsanleihen, Schuldverschreibungen und Hypothekenpapiere im Wert von mehr als 1,7 Billionen Dollar erwarben.

Ende 2010 startete die Fed mit dem QE2 eine zweite Runde, im Herbst 2012 folgte dann QE3. Die Fed kaufte langfristige Staatsanleihen und Immobilienpapiere im Wert von 85 Milliarden Dollar monatlich. Über vier Billionen kamen bis zum Ende des Kaufprogramms zusammen. Inzwischen kommt die US-Wirtschaft auf Trab, die Arbeitslosigkeit ist auf dem Rückzug.

Grossbritannien

Den geldpolitischen Notnagel, zu dem die EZB nun greift, schlug die britische Notenbank bereits 2009 ein. 375 Milliarden britische Pfund pumpte die Bank of England seit 2009 in die britische Volkswirtschaft. Der Leitzins war bereits zuvor auf den Tiefststand von 0,5 Prozent gedrückt worden. Experten der Bank of England gehen davon aus, dass die Massnahme erfolgreich war.

Durch QE sei das Bruttoinlandprodukt in Grossbritannien um 50 Milliarden Pfund gewachsen und die Inflation vorübergehend nach oben getrieben worden, heisst es in einem Papier, das die Zentralbanker Martin Weale und Tomasz Wieladek fünf Jahre nach der ersten Geldspritze verfasst hatten.

Japan

Am aggressivsten warf die japanische Notenbank die Notenpresse an. Seit mehr als 10 Jahren greift sie zu QE. Im April 2013 öffnete sie ihre Geldschleusen noch weiter, um Japan aus einer jahrelangen Deflation mit stetig fallenden Preisen zu holen. Als dies noch nicht reichte, riss sie die Geldschleusen im Oktober 2014 noch weiter auf. Sie verkündete den Kauf von Staatsanleihen von jährlich 80 Billionen Yen, nochmals 30 Billionen mehr als bisher.

EU

Die Europäische Zentralbank (EZB) flutet im Kampf gegen die Konjunkturflaute die Märkte mit mehr als einer Billion Euro. EZB-Präsident Mario Draghi kündigte am Donnerstag in Frankfurt eines der grössten Anleihe-Kaufprogramme an, das es jemals gegeben hat.

Die EZB wolle von März 2015 bis September 2016 jeden Monat Staatsanleihen, private Bonds und Papiere europäischer Institutionen im Wert von 60 Milliarden Euro kaufen, sagte Draghi. Das Gesamtvolumen beläuft sich auf 1,14 Billionen Euro. Das entspricht etwa 11 Prozent des gesamten Bruttoinlandproduktes der Euro-Zone.

Mit der Geldschwemme nach dem Vorbild der US-Notenbank Fed will Draghi verhindern, dass die Wirtschaft in eine Deflation abrutscht, also eine gefährliche Abwärtsspirale aus fallenden Preisen auf breiter Front und nachlassenden Investitionen. Er liess sich sogar eine Hintertür offen, das Programm zu verlängern, falls die riesige Geldspritze die Teuerung nicht zurück auf gegen 2 Prozent bringt.

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