30.11.2017 17:19
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Österreich
Molkereien erlassen Glyphosatverbot
In Österreich haben mehrere Molkereien den Milchbauern verboten, Glyphosat einzusetzen. Der Einsatz des Unkrautvernichters ist in Europa hochumstritten: Die Internationale Krebsforschungsagentur IARC stuft die Chemikalie als "wahrscheinlich" krebserregend ein, Aufsichtsbehörden in Deutschland und der EU kamen zu einem anderen Schluss.

Die zweite grosse Molkerei in Kärnten, Berglandmilch, hat am Mittwoch bekannt gegeben, dass ihre Milchbauern kein Glyphosat mehr verwenden dürften. Dies teilt ORF Online mit. Das Unternehmen unterstützt ein EU-weites Verbot des Herbizids. Ein Glyphosat-Verbot auf den Wiesen und Äckern seien sie dem Konsumenten schuldig, zitiert Top Agrar Berglandmilch-Geschäftsführer Josef Braunshofer.

Gibt auch Kritik

Auch die Molkereien Schärdinger, Tirol Milch und Stainzer verbieten den Einsatz von Glyphosat. Die Kärnter Milch erhebt derzeit, wie viele Bauern Glyphosat einsetzen. Ein Entscheid soll kommenden Woche fallen. Helmut Petschar, Geschäftsführer der Kärntner Milch schätzt, dass nur wenige der Milchbauern, die die Molkerei beliefern, Glyphosat einsetzen.

Kritisch hinterfragt Markus Tschischej, Pflanzenschutzexperte der Landwirtschaftskammer Kärnten, den Entscheid. Die Aufbringung in Ackerkulturen sei generell verboten. Nur ausserhalb der Pflanzzeit sei es erlaubt, so Tschischej. Ob ein Verbot zielführend ist, bezweifelt er.

Jahrelanger Streit

Über mögliche Risiken durch den Unkrautvernichter wird seit Jahren gestritten. Die Internationale Krebsforschungsagentur der Weltgesundheitsorganisation stufte das Herbizid im März 2015 als «wahrscheinlich krebserregend» für den Menschen ein. Andere Agenturen wie die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit EFSA und das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung BfR sehen hingegen kein von Glyphosat ausgehendes Risiko.

Der Wirkstoff wurde vom US-Konzern Monsanto entwickelt, den der deutsche Konkurrent Bayer übernehmen will. Dieses Milliardengeschäft wird derzeit von der EU-Kommission geprüft. Vertrieben werden Glyphosat-haltige Mittel aber auch von mehr als 40 weiteren Herstellern.

850'000 Tonnen weltweit

Glyphosat wird weltweit auf rund 400 Millionen Hektar überwiegend landwirtschaftlich genutzten Flächen eingesetzt, wie das Marktforschungsunternehmen Kleffmann Group berichtete. Zum Vergleich: Die Agrarflächen in der Schweiz umfassen 1,05 Millionen Hektar.

Der vom US-Konzern Monsanto entwickelte Wirkstoff wurde 1974 erstmals zugelassen. Im Jahr 2000 lief das Patent aus, seither werden glyphosathaltige Produkte auch von anderen Herstellern angeboten. Verkauft werden jährlich rund 850'000 Tonnen solcher Mittel, in der Schweiz werden knapp 300 Tonnen eingesetzt.

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