4.02.2019 16:15
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Landwirtschaft
Monats- statt Tageslohn hilft Bauern
Milchbauern und Landarbeiter in Entwicklungsländern bekommen ihren Lohn meist täglich ausbezahlt. Vielen wäre die Bezahlung am Monatsende lieber, da sie so leichter für unerwartete Ausgaben sparen könnten, zeigt eine Studie.

Milchbauern in Zentralkenia besitzen meist nur zwei oder drei Kühe und verkaufen die Milch täglich. Es wäre ihnen aber eigentlich lieber, am Monatsende bezahlt zu werden, selbst wenn dies eine finanzielle Einbusse mit sich bringen würde. Das zeigt eine Studie der Universität Zürich. So glauben sie, besser Geld für Tierfutter, das Schulgeld für ihre Kinder oder unerwartete Ausgaben sparen zu können.

Fehlende Selbstkontrolle

Menschen mit niedrigem, täglichen Einkommen fällt es schwer, Geld zu sparen. Das haben schon frühere Untersuchungen ergeben. Forschende der Universität Zürich wollten herausfinden, ob und unter welchen Bedingungen die Milchbauern in Zentralkenia einen Monatslohn vorziehen würden. 86 Prozent der rund 600 Befragten würden demnach einen Monatslohn wählen, selbst wenn der Preis pro Liter Milch dadurch um 15 Prozent tiefer ausfallen würde, wie die Universität am Montag mitteilte.

Auch wenn man ihnen zur Auswahl gab, sich für einen Monat zu verpflichten oder flexibel jederzeit zurück auf die tägliche Bezahlung zu wechseln, entschieden sich 93 Prozent gegen das flexible Modell. Als Grund für den Wunsch nach einem Monatslohn gab die Mehrheit an, sich selbst nicht zuzutrauen, das Geld während des Monats zu verwalten, um die eigenen Sparziele zu erreichen.

Garantie für Zahlungen


Trotz der grossen Nachfrage nach einem monatlichen Bezahlmodell bot nur ein grosser Milchabnehmer in der Untersuchungsregion ein solches an, hiess es weiter. Den kleineren Unternehmen vertrauten die Bauern nicht, sich an den Zahlungsplan zu halten. «Wenn ein glaubwürdiger Dritter oder ein Gericht die Zahlung garantieren würde, wären die Landwirte bereit, auch an kleinere Molkereien zu verkaufen, und es gäbe mehr Wettbewerb unter den Milchkäufern», erklärte Lorenzo Casaburi von der Uni Zürich gemäss der Mitteilung.

Mit einer solchen Garantie für die Zahlungen, stieg die Bereitschaft der Bauern, auch an kleine Abnehmer zu bezahlen, von 14 auf 90 Prozent. Die Studie, die im Fachblatt «American Economic Review» erschienen ist, sei eine der ersten, die zeige, dass Menschen bereit sind, einen substanziellen Preis zu bezahlen, um Probleme der Selbstkontrolle durch selbstverpflichtende Massnahmen zu lösen, schrieb die Hochschule. Solche Massnahmen kommen dabei auch durchaus in Industrieländern zur Anwendung: Als Beispiel nennt Casaburi den dreizehnten Monatslohn, der Arbeitnehmern gegen Ende des Jahres mehr Liquidität verschaffen soll.

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