28.02.2017 16:31
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Somalia
Nach dem Vieh sterben die Menschen
Eine Tragödie spielt sich im Bürgerkrieg geplagten Somalia ab. Aufgrund der Dürre sind bereits tausende Ziegen, Kühe und Kamele gestorben. Nun drohen auch die Menschen zu verhungern.

Die Situation in Ostafrika spitzt sich zu. Nach Angaben der Vereinten Nationen (UN) sind am Horn von Afrika 15 Millionen Menschen von Hunger bedroht. Betroffen sind Äthiopien, Dschibuti, Eritrea und Somalia. Die UN halten aber auch die Situation in Kenia und Uganda für besorgniserregend.

Skelette Vorboten einer Hungersnot

Die Kühe, Ziegen und Kamele sind die Lebensgrundlage für die Bewohner dieser Länder, die noch sehr von der Landwirtschaft geprägt sind. Doch die Nutztiere sind völlig abgemagert, viele sind bereits gestorben, berichtet die Deutsche Welle. Die Skelette von Ziegen und Kamelen sind die Vorboten einer drohenden Hungersnot in Somalia, warnen Hilfsorganisationen.

Bei der letzten Dürre starben Hunderttausende von Menschen. Wegen der Trockenheit finden die Tiere keine Nahrung mehr. Lediglich Dornbüsche bilden eine karge Vegetation. Die Nomaden suchen vergeblich nach neuen Flächen und nach Futter für ihre Viehherden.

78'000 Kinder akut von Hungertod bedroht

6,2 Millionen Somalier, etwa die Hälfte der Bevölkerung, leidet massiv unter der anhaltenden Dürre. Rund 360'0000 Kinder gelten UNO-Angaben zufolge als schwer unterernährt, 70'000 sind derzeit akut vom Hungertod bedroht. Bei der letzten Hungersnot 2011 kamen nach UNO-Angaben mehr als 250'000 Menschen ums Leben.

«Babys sterben. Tierkadaver säumen die Strassen. Verzweifelte Nomaden winken mit leeren Wasserkanistern», beschreibt Martina Dase von «Save the Children Deutschland» die Lage bei einem Besuch in der teilautonomen Region Puntland. Die Bevölkerung ernährt sich aus Zucker und Mais, die Kinder sind unterernährt. Für die Hilfe in Somalia werden gemäss UN in diesem Jahr rund 864 Millionen Dollar (rund 870 Millionen Franken) benötigt.

El Nino

Als Hauptgrund für die anhaltende Dürre wird das Klimaphänomen El Niño genannt. In den vergangenen Jahren war die Regenzeit oft nur schwach, teils blieben sie ganz aus. Als Folge stiegen die Preise für Lebensmittel. Die meist arme, ländliche Bevölkerung konnte sich anschliessend kein Essen mehr leisten.

Zudem erschüttert ein jahrzehntelanger Bürgerkrieg das Land. Die islamistische Terrormiliz Al-Shabaab kontrolliert Gebiete im Süden und Zentrum des Landes. Aufgrund der schwierigen Sicherheitslage können Helfer die notleidenden Menschen nicht erreichen

Ausnahmezustand verhängt

Somalia hat wegen einer schweren Hungerkrise den Ausnahmezustand über die betroffenen Gebiete verhängt. Der seit Februar amtierende Präsident Mohamed Abdullahi Mohamed Farmajo appellierte am Dienstag an die internationale Gemeinschaft und an die im Ausland lebenden Somalis, rasche Hilfe zu leisten, um «eine humanitäre Tragödie zu vermeiden».

Überweisungen von Somalis aus dem Ausland sind ein wichtiger Wirtschaftsfaktor in dem armen Land am Horn von Afrika. Somalia steht wegen einer anhaltenden Dürre am Rande einer Hungersnot. «Um das Risiko einer Hungersnot abzuwenden, müssen wir jetzt entschlossen und im grossen Massstab handeln», erklärte der stellvertretende Ministerpräsident Mohamed Omar Arteh anlässlich einer UNO-Konferenz zur Hungerkrise in Mogadischu. Wenn sich die Lage soweit verschlechtert, dass die UNO eine Hungersnot erklären, dann kommt für viele Tausend Menschen jegliche Hilfe bereits zu spät. sda

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