31.03.2014 08:13
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Klima
Nord- und Südhalbkugel: Starke Temperaturunterschiede
Die Temperaturen auf der Nord- und der Südhalbkugel unterscheiden sich viel stärker, als Klimaforscher bisher angenommen hatten. Dies wies ein internationales Forscherteam unter Schweizer Leitung mit einem 1000 Jahre zurückreichenden Datensatz nach.

Damit menschengemachte Veränderungen im Klima festgestellt werden können, sind Daten über Jahrzehnte und gar Jahrhunderte nötig, wie die Universität Bern am Sonntag mitteilte. Doch diese Daten, die in Klimamodelle für den ganzen Globus einfliessen, basierten im Moment fast ausschliesslich auf Daten der Nordhalbkugel.

Für die aktuelle Studie haben Antarktisforscher, Datenspezialisten und Klima-Experten aus fünf Kontinenten insgesamt 227 Datensätze vom Land und 48 aus dem Ozean der Südhemisphäre zusammengetragen. Die Klimadaten stammten aus Baumringen, Korallen, Eisbohrkernen, See- und Meeressedimenten, Tropfsteinen und historischen Dokumenten.

Ab 1970 am wärmsten

Daraus bestimmte das Team um Raphael Neukom vom Oeschger Zentrum für Klimaforschung der Uni Bern und der Waldforschungsanstalt WSL die die Jahresmittelwerte der Temperaturen über die letzten 1000 Jahre. Es zeigte sich, dass lediglich zweimal im letzten Jahrtausend beide Halbkugeln gleichzeitig extreme Temperaturen aufwiesen, wie die Forscher im Fachblatt «Nature Climate Change» berichten.

Der eine Fall war die globale Kälteperiode im 17. Jahrhundert, der andere die gegenwärtige Erwärmungsphase - eine ununterbrochene Reihe von globalen Wärmeextremen seit den 1970er Jahren. Andere Phänomene, wie etwa die «Mittelalterliche Wärmeperiode» (950 - 1100 n. Chr.), die in europäischen Überlieferungen vorkommt, seien indes lediglich regional aufgetreten, erklärte Neukom. Im Süden herrschten zu jener Zeit durchschnittliche Temperaturen.

Die Forscher führen diese grossen Unterschiede zwischen den Hemisphären auf die chaotischen Wechselwirkungen innerhalb des Klimasystems zurück. Diese führen dazu, dass die Temperaturen immer wieder in die eine oder andere Richtung schwanken, was «interne Variabilität» genannt wird. Einer der Hauptmotoren dafür sind die Weltmeere, die Temperaturschwankungen abpuffern.

Ozeane als Puffer

Da die Südhemisphäre viel stärker von Ozeanen dominiert wird, sind die Temperaturen dort nach Ansicht der Forscher stärker von der internen Variabilität bestimmt und dafür losgelöster von äusseren Einflüssen. Solche können die Sonnenstrahlung, Vulkanausbrüche oder Treibhausgase sein. Das Klima über den Landmassen der Nordhemisphäre reagiert hingegen schneller auf diese äusseren Faktoren.

In den gängigen Klimamodellen werde diese Diskrepanz zwischen den Halbkugeln nur schlecht abgebildet, betonen die Forscher. Das sei ein Problem, denn mit diesen Modellen werde das zukünftige Weltklima und der Beitrag des Menschen zu diesem abgeschätzt. Sie schlagen vor, dass neue Modelle die separate Entwicklung der Temperaturen auf der Südhalbkugel besser berücksichtigen sollten.

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