26.10.2016 11:34
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Handel
Onlinemarkt hilft Kleinbauern
Die Produkte von Kleinbauern aus Entwicklungsländern finden kaum den Weg in die europäischen Supermärkte, obwohl die Qualität einwandfrei ist. Um ihnen den Zugang zum internationalen Handel zu erleichtern, hat die ZHAW gemeinsam mit dem Handelsunternehmen gebana eine Onlineplattform entwickelt.

Ziel der «Plattform Marktzugang» sei es, Bauern und Verarbeiter in Entwicklungsländern beim Zugang zum Weltmarkt zu unterstützen und eine erste Produktlieferung in die Schweiz zu ermöglichen, hiess es in einer Mitteilung der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften vom Mittwoch. Oft fehle die nötige Infrastruktur, oder politische Bedingungen erschwerten das Wirtschaften.

Vom Hof direkt zum Kunden

Um Hürden abzubauen, vereint die neue Plattform drei Parteien: «Es gibt die Produzenten, die Produkte herstellen und anbieten wollen», erklärt Projektleiter Hans-Peter Hutter von der ZHAW School of Engineering laut der Mitteilung. Dank des Handelsunternehmens gebana als Vermittlerin erhielten die Produzenten Zugang zum europäischen Markt. «Und die dritte Partei sind schliesslich die Kundinnen und Kunden, die dank der Plattform diese Produkte direkt vom Produzenten beziehen können.»

Statt aufwendig über Zwischenhändler kommt die Ware also quasi direkt vom Hof zum Besteller. Potenzielle Kunden können das Warenangebot auf der Website einsehen und ihr Interesse per Mausklick kundtun. Bei genügend Interessierten kommt es zur tatsächlichen Sammelbestellung oder «Crowdorder» und Lieferung in die Schweiz.

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App für Produzenten


Die nötige Nachfrage ist dabei von der Art des Produkts und den Mindestimportmengen abhängig, schrieb die ZHAW. Ausserdem biete die Website die Möglichkeit des Crowdfunding.

Für die Produzenten haben ZHAW und gebana eine App entwickelt, um die Kommunikation mit den Lieferanten vor Ort zu erleichtern. Dadurch können Bauern leichter angeben, was sie anbauen, sowie Fragen zu den Produktionsstandards beantworten. Dies beispielsweise, um zu klären, ob die Ware den Anspruch an Bioprodukte erfüllen.

Vereinfachte Kommunikation

«Die Kommunikation mit den Produzenten verlief bis anhin schwerfällig über Papier und Telefonate», so Hutter. «Mit der App werden diese Vorbereitungen und Abklärungen nun stark vereinfacht und auch vereinheitlicht.» Die App musste dabei so entwickelt werden, dass sie möglichst simpel und leicht zu bedienen sei, betonte der ZHAW-Professor. Weil die Mehrheit der Bauern jedoch kein Englisch spricht und oft auch kein Smartphone besitzt oder es nur für Telefonate braucht, arbeite gebana mit Partnern vor Ort, die als Übersetzer fungieren und die App bedienen.

Zwar unterstützen bereits diverse NGOs und private Organisationen Produzenten im globalen Süden, um deren Anbau zu verbessern und auf biologische Landwirtschaft umzustellen. Der Absatzmarkt war jedoch bisher ein Problem, das die neue Plattform nun schliessen soll, betonte das Unternehmen gebana gemäss der ZHAW-Mitteilung. An dem von der Kommission für Technologie und Innovation (KTI) finanzierten Projekt war auch die Fachhochschule Nordwestschweiz beteiligt.

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