16.09.2015 07:35
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Europäischer Milchmarkt
Ozeanien kritisiert EU-Milchbeschlüsse
Das Anfang der vergangenen Woche in Brüssel beschlossene Hilfspaket für die EU-Milchbauern ist in Australien auf deutliche Kritik gestossen. Nationale Presseberichte werteten die Massnahmen als „Schritt zurück“ in dem Bemühen um einen liberalisierten Markt in der EU und als schlechte Nachricht für den Welthandel.

„Diese reflexartige Reaktion auf die niedrigen Weltmarktpreise ist eine Rückkehr in die alten Tage der EU-Markteingriffe und sie maskiert die Marktsignale“, kritisierte der Leiter der Handels- und Industrieabteilung des Branchenverbandes Dairy Australia, Charlie Mc Elhone. Die Ironie sei, dass die finanziellen Mittel aus der Superabgabe stammten, womit die effizientesten und leistungsstärksten Erzeuger nun die schwächsten Produzenten und Molkereien unterstützen würden.

Deutlich höhere Produktion in Neuseeland

Nach Ansicht des Präsidenten der Australischen Milcherzeuger (ADF), Noel Campbell, können die Krisenmassnamen der EU den internationalen
Wiederanstieg der Preise für Molkereierzeugnisse verzögern. Er befürchtet, dass die Europäer mit Hilfe der Finanzspritze auf Märkte vordringen, in denen sie sich bisher nicht bewegt haben und dort bestehende Absatzbeziehungen zerstören.

Unterdessen hat in Ozeanien die Milchproduktion mit dem Ende des dortigen Winters wieder Fahrt aufgenommen, wobei allerdings bisher von produktionsdämpfenden Effekten aufgrund der niedrigen Milchpreise nichts zu spüren ist. Laut Daten des neuseeländischen Molkereiverbandes (DCANZ) lag die Milchproduktion in den beiden ersten Monaten des neuen Wirtschaftsjahres 2015/16 über dem Niveau des jeweiligen Vorjahresmonats, und zwar um 8,1 % im Juni sowie um 13,8 % im Juli.

Australien: Produktion könnte sinken

Auch in Australien ist von Bremsmanövern der Produzenten nichts zu spüren. Im Juni molken sie im Vorjahresvergleich 3,2% mehr Milch. Im Juli belief sich das Plus auf 5,4%. Marktanalysten gehen jedoch weiter davon aus, dass aufgrund der angespannten wirtschaftlichen Lage auf den Farmen weniger teures Leistungsfutter eingesetzt und mehr Kühe geschlachtet werden, so dass die Milchproduktion in den kommenden Monaten weniger stark zulegen oder sogar abnehmen soll.

Der Molkereikonzern Fonterra bestätigte in der vergangenen Woche seine Prognose, wonach die eigene Milchverarbeitung in der Saison 2015/16 mit 1,59 Mio. kg Milchfeststoff voraussichtlich um 2 bis 3 Prozent unter dem Vorjahresniveau liegen dürfte.

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