20.06.2013 10:32
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Polen
Polen: 600'000 Hektaren von Hochwasser betroffen
Auch in Polen haben starke Regenfälle regional schwere Schäden angerichtet. Flüsse traten zwar nur vereinzelt über die Ufer, doch die grossen Wassermassen konnten auf den Feldern nur langsam abfliessen.

Im Einzelnen wurden Gewächshäuser verwüstet und überflutete Ställe mussten evakuiert werden. Mehr als 100'000 Betriebe und rund 600'000 ha landwirtschaftliche Flächen seien insgesamt betroffen, erklärte Agrarminister Stanislaw Kalemba vergangene Woche im öffentlichen Radio.

Den bisher aufgelaufenen Gesamtschaden schätzte er auf 150 Mio. Zl (35 Mio Euro). „Wir arbeiten an einem Hilfsprogramm, die Regierung werde dieses bald beschliessen", teilte Kalemba mit. Ausserdem könnten die betroffenen Bauern Sonderkredite beantragen, deren Verzinsung vom Umfang der erlittenen Schäden abhänge.

Der Minister stellte jedoch gleichzeitig fest, dass der Regen in vielen Gebieten, wo er in Massen geblieben sei, zur rechten Zeit gekommen sei. „Dort, wo vorher lange Dürre war, gibt es jetzt sehr vorteilhafte Bedingungen für das Wachstum der Aussaat“, so der Ressortchef. Besonders von Starkregen betroffen waren Regionen in Südpolen. An verschiedenen Orten in Polen wurden an einzelnen Tagen binnen einer Stunde zwischen 30 und 60 mm Niederschlag gemessen.

Die Landwirtschaftskammer im Gebiet Lodz gab den jüngst verwirklichten Infrastrukturprojekten eine Mitschuld an den Schäden. Entlang von Autobahnen und Schnellstrassen werde das Übermass an Wasser nicht ordnungsgemäss abgeführt, beklagte die Kammer. Deshalb seien angrenzende Felder überschwemmt worden.

Die Landwirtschaftskammer forderte eine Entschädigung durch den Staat. Derweil bemängelte die Europäische Kommission, Warschau
tue viel zu wenig für den Hochwasserschutz. Statt eines landesweiten Konzepts gebe es nur regionale Pläne zum Hochwasserschutz, heisst es kritisch in einem aktuellen Schreiben aus Brüssel.

Presseberichten zufolge droht Polen aufgrund dieser Versäumnisse der Verlust von rund 500 Mio. Euro an EU-Fördergeldern für den Hochwasserschutz bis 2020. Regierungsvertreter dementierten dies jedoch.

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