12.08.2013 08:52
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Polen
Polen: Bauern sauer wegen tiefer Getreidepreise
Die Landwirtschaftssektion der polnischen Gewerkschaft „Solidarnosc“ hat an die Bauern appelliert, ihr Getreide vorerst nicht an Grosshändler zu verkaufen, sofern ihre finanzielle Situation dies zulässt. Die Gewerkschaft beklagt den starken Rückgang der Getreidepreise.

„Wir fordern zum aktiven Protest auf“, erklärte „Solidarnosc“ in einem am vergangenen Mittwoch veröffentlichten Papier. Nach Berechnungen der Gewerkschaft liegen die derzeitigen Getreidepreise in Polen unter den Produktionskosten.

Staatliche Preisstützung gefordert

Laut Angaben des Landwirtschaftsministeriums belief sich der Durchschnittserlös für eine Tonne Weizen zuletzt auf 650 Zloty/t (188 Fr.), womit das Vorjahresniveau um 24% verfehlt wurde. Der Rapspreis gab gegenüber 2012 um 27% auf 1'500 Zl/t (435 Fr.) nach. Bauernvertreter nennen noch deutlich niedrigere Beträge, die ihnen vom Handel geboten würden.

Laut dem Verband der Getreideerzeuger liegen die Preise im Mittel um 40% unter denen des Vorjahres, in manchen Regionen um 50%. Die Lage werde durch eine schlechtere Ernte als 2012 verschärft, erklärte der Verband. Aus der Landwirtschaft kam auch der Ruf nach einer staatlichen Preisstützung.

Agrarminister winkt ab

Agrarminister Stanislaw Kalemba stellte bei einer Pressekonferenz am vergangenen Mittwoch aber klar, dass dies nach EU-Recht nicht zulässig sei. Beim Weizen seien Stützkäufe zwar möglich, jedoch nur zu einem Preis von 125 Fr./t, also noch weit unter dem aktuellen Marktpreis. Auch der Forderung, wonach das staatliche Unternehmen Elewarr höhere Getreidepreise zahlen sollte, widersprach Kalemba. Elewarr müsse sich den Marktgegebenheiten anpassen.

Nach Einschätzung des Ministers dürften die Preise im Herbst wieder anziehen, ohne allerdings wieder das Niveau des vergangenen Jahres zu erreichen. „2012 war aussergewöhnlich“, sagte der Politiker und verwies auf die damaligen Dürren in den USA, in Russland und anderen Ländern.

Bauern blockierten Kreuzung

In der vergangenen Woche blockierten Landwirte in Nordpolen aus Ärger über die niedrigen Getreidepreise mit ihren Traktoren eine stark befahrene Kreuzung. Sie verlangten einen Einfuhrstopp für Getreide aus der Ukraine. Der aus Warschau angereiste Vizeagrarminister Tadeusz Nalewajk wies dies unter Hinweis auf die Verträge mit der Welthandelsorganisation (WTO) zurück. Er betonte ausserdem, dass Polen in grossem Umfang Äpfel und Geflügel in die Ukraine exportiere.

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