16.01.2014 12:55
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Polen
Polen: Weiterer Milchpreisanstieg erwartet
Auch in Polen stehen die Ampeln für die weitere Entwicklung des Milchmarktes derzeit auf Grün. Nach Einschätzung polnischer Milchmarktexperten wird der Produzentenpreis für diesen Rohstoff im ersten Halbjahr 2014 um voraussichtlich 10 Prozent steigen. Das berichtete dieWarschauer Zeitung «Rzeczpospolita».

„Die Milch bleibt teuer, weil die milchverarbeitenden Betriebe eine hohe Nachfrage haben“, zitierte die Zeitung vergangene Woche den Geschäftsführer des Käseherstellers Spomlek, Eward Bajko. Die Betriebe wollten derzeit so viel produzieren wie möglich, „um die gute Konjunktur auf den Weltmärkten auszunutzen“, sagte Bajko.

Geringers Nachfragewachstum

Allerdings dürfte die Nachfrage dieses Jahr nicht mehr so stark steigen wie 2013, meinen laut „Rzeczpospolita“ andere Marktbeobachter. Der Export werde sich weniger dynamisch entwickeln, weil der Zloty gegenüber dem Euro an Wert gewonnen habe, stellte die Bank für Ernährungswirtschaft (BGZ) in einer aktuellen Analyse fest. Das Institut für Land- und Ernährungswirtschaft schätzt, dass Polen im Jahr 2013 Milchprodukte im Gesamtwert von 1,67 Mrd. Euro (2,05 Mrd. Fr.) ausgeführt hat, was einem Zuwachs von 20 % gegenüber 2012 entsprechen würde.

BGZ-Ökonomin Marta Skrzypczyk erklärte gegenüber „Rzeczpospolita“, dass die Milchproduktion in einigen wichtigen Ländern gestiegen sei, so in den USA und Australien, was die Konkurrenz nun verstärke. Höhere Milchpreise im Inland träfen den Export nicht so hart, weil dies ein weltweiter Trend sei. Allerdings dürften die höheren Rohmilchpreise die Verbraucherpreise in Polen nach oben treiben. Dennoch bestehe kaum eine Gefahr für die verarbeitenden Betriebe, denn die Preiselastizität bei Milch, Sahne oder Quark sei „ziemlich niedrig“, erläuterte Skrzypczyk. Die Menschen würden den Konsum dieser Erzeugnisse also kaum einschränken.

Milchbauern stellen nicht mehr auf Bio um

Dem polnischen Statistikamt zufolge wurde im Oktober 2013 im Durchschnitt für einen Liter Rohmilch der Rekordpreis von 35,7 Cent  (43,9 Rp.) gezahlt. Das bedeutete ein Plus von 23% gegenüber dem entsprechenden Vorjahresmonat. Damit lag der Erlös aber deutlich unter dem Preis, den die 16 führenden Molkereiunternehmen in Nord- und Mitteleuropa ihren Lieferanten im Mittel
zahlten.

Für eine Standardmilch mit 4,2% Fett und 3,4% Eiweiss waren das im Oktober fast 40 Cent/kg (49,2 Rp.). Bis Jahresende blieb der Auszahlungspreis für Rohmilch in Polen den Fachleuten zufolge stabil. Das Kilogramm Vollmilchpulver kostete nach Angaben der Warschauer Statistiker in der zweiten Januarwoche 3,70 Euro (4,55 Fr.). Es war damit 26% teurer als vor einem Jahr.

Offizielle Angaben über den Preis für Rohmilch in diesem Jahr liegen noch nicht vor. Unterdessen beklagten Hersteller von ökologischen Lebensmitteln, dass wegen der höheren Preise immer weniger Milchbauern bereit seien, auf Bio umzustellen. „Sie sind mit dem Preis zufrieden, den sie jetzt mit der konventionellen Milchwirtschaft erzielen können“, monierte der Direktor des Biomilchverarbeiters EkoLukta, Robert Saluda.

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