23.08.2015 09:05
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Milchmarkt
Positives Preissignal vom Weltmilchmarkt
Bei der Auktion von Milcherzeugnissen an der internationalen Handelsplattform Global Dairy Trade (GDT) sind die Preise erstmals seit Monaten wieder gestiegen, und das recht kräftig.

Am Dienstag vergangener Woche legte der zusammenfassende Index aller dort gehandelten Standardmilchprodukte gegenüber der vorherigen Versteigerung von Anfang August um 14,8 % zu. Mit Ausnahme von Buttermilchpulver und Laktose konnten alle Erzeugnisse Preiszuwächse verbuchen, vor allem das Haupthandelsprodukt Vollmilchpulver. Dessen angebotene Kontrakte erlösten über alle Laufzeiten und Qualitäten hinweg im Mittel 1 856 $/t (1 676 Euro); das waren 19,1 % mehr als bei der vorangegangenen Versteigerung. Damit wurde allerdings nur der Verlust der vorherigen Handelsrunde wettgemacht; im Vorjahresvergleich lagen die Preise noch immer um rund ein Drittel niedriger.

Vollmilchpulver zur Lieferung im Februar 2016 erzielte mit gut 2 000 $/t (1 806 Euro) den höchsten Erlös. Auch für Magermilchpulver zahlten die Käufer zuletzt im Schnitt aller Kontraktfälligkeiten mehr Geld als vor zwei Wochen. Im Mittel wechselte die Ware für 1 521 $/t (1 373 Euro) den Besitzer, was einer Verteuerung um 8,5 % entsprach. Im Vorjahresvergleich hat dieses Produkt jedoch fast die Hälfte seines Wertes eingebüßt. Den größten Preissprung machte bei der jüngsten Auktion wasserfreies Milchfett mit 26,6 %; die normale Butter legte im Vergleich zu Anfang August um 10,8 % auf 2 541 $/t (2 295 Euro) zu. Der Preis für Cheddarkäse stieg mit 4,4 % auf 2 778 $/t (2 509 Euro) nur unterdurchschnittlich; allerdings hatte sich dieses Produkt in den vergangenen Handelsrunden auch nicht so stark verbilligt.

Geringeres Rohstoffaufkommen erwartet

Marktbeobachtern zufolge hat vor allem das geringere Angebot an der GDT zur jüngsten Preiserholung beigetragen. Die Verkaufsmenge lag mit 36 904 t nicht nur um gut 20 % unter dem Angebot von Anfang August, sondern auch um rund ein Fünftel unter dem Vorjahresniveau. Möglicherweise zeigt der bereits seit 2014 anhaltende Preisverfall am globalen Markt nun erste Auswirkungen auf die Produktion. Fonterra hatte kürzlich mitgeteilt, dass 2015/16 mit einem Rückgang der Milchanlieferungen um 2 % gegenüber der Vorsaison zu rechnen sei. Die nicht mehr kostendeckenden Erzeugererlöse und mögliche Auswirkungen des immer wahrscheinlicher werdenden Wetterphänomens El-Niño könnten laut Experten das Aufkommen aber noch stärker reduzieren.

Damit wäre der Weg für wieder höhere Milcherzeugerpreise frei. Das erwartet auch die Rabobank in Neuseeland, allerdings nicht sofort, sondern erst ab Mitte 2016. In einer aktuellen Marktanalyse vertreten die Banker die Auffassung, dass der gegenwärtige Zusammenbruch des Marktes zyklischer, aber nicht dauerhafter Natur ist.

Milchmarkt muss „durch den Sturm“

Die langfristig positiven Fundamentaldaten des Milchsektors hätten sich auch durch die jüngste Krise nicht geändert, betonte Neuseelands Rabobank-Geschäftsführer Ben  Russel. Die momentanen Niedrigpreise seien Teil einer ausgeprägten Negativphase im Produktzyklus, bedeuteten aber keine strukturelle Änderung der auf lange Sicht immer noch günstigen Angebots-Nachfrage-Relationen. Die laufende Saison werde ohne Zweifel eine sehr schwierige für die Milchfarmer, doch sei seine Bank von einem mittelfristig nachhaltigen Wiederanstieg der Preise überzeugt. Die augenblickliche Marktsituation sei nicht „die neue Normalität“, sondern der „abnormale Teil eines schwierigen Produktzyklusses“, erklärte Russel.

Nach Angaben des Milchexperten der Bank, Tim  Hunt, ist das Ausmaß des Marktzusammenbruchs stärker als von vielen erwartet. Die Preiskorrektur habe schon 2014 begonnen und sei durch spezielle Faktoren verstärkt worden. Dazu zählten die ungewöhnlich starke Kaufzurückhaltung Chinas, der politisch motivierte Importstopp Russlands oder das Ende der EU-Milchquotenregelung. Neuseeland sei von der Milchmarktkrise aufgrund seiner relativ starken Währung, dem kleinen Heimatmarkt und der Fokussierung auf den Export von Vollmilchpulver und der Nachfrageschwäche des wichtigsten Kunden China in besonderem Maße betroffen. Grundsätzlich sei das Land im internationalen Wettbewerb mit seiner Milchbranche aber gut aufgestellt; es müsse jetzt aber erst „durch den Sturm kommen“.

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