10.08.2019 13:50
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Türkei
Protest gegen Abholzung
In der Nähe des türkischen Ida-Gebirges weiten sich Proteste gegen die Abholzung von Wäldern durch eine kanadische Gold-Bergbaufirma aus. Zu einer Mahnwache in der nordwesttürkischen Provinz Canakkale kamen auch am Freitag wieder Hunderte Demonstranten.

Das sagte der Rechtsanwalt und Aktivist Ali Furkan Oguz. Mitunter waren es diese Woche Tausende.

1540 Hektar

Der stellvertretende Bürgermeister der Stadt Canakkale Irfan Mutluay sagte, er erwarte über die Bayram-Feiertage viele «solidarische» Besucher. Ein grosses Zeltlager für die Aktivisten wollen diese aber laut Mutluay wegen Überfüllung und Waldbrandgefahr selbst schliessen. Canakkale ist mit seiner schönen Küste und Kulturstätten auch ein Touristenmagnet. Hier liegt zum Beispiel die antike Stadt Troja.

Die Abholzung erfolgt durch eine oder mehrere türkische Töchter der kanadischen Alamos Gold Inc. Auf deren Webseite heisst es, dass sie das Gelände - und ein weiteres in der Nähe - schon 2010 erworben habe. Demzufolge ist das Gelände bei Kirazli insgesamt rund 1540 Hektar gross. Sechs Jahre lang soll es ausgebeutet werden.

200'000 Bäume

Streit gibt es vor allem um die Zahl der bereits gerodeten Bäume: Politiker der Regierungspartei AKP und Mitarbeiter des Ministeriums für Naturressourcen sagten türkischen Medien, es seien rund 13'000 Bäume gefällt worden. Aktivisten erklären, es seien viermal so viele Bäume gefällt worden wie vereinbart.

Doganay Tolunay, Forstwirtschaftsprofessor an der Universität Istanbul, ist auf der Seite der Aktivisten. Seinen Baumkarten zufolge müssten in dem Goldgrubengebiet rund 200'000 Bäume gefällt worden sein, sagte er am Freitag - viel mehr als in einem Umweltbericht von 2013 vorgesehen. «Es wird Hunderte Jahre dauern, bis das Ökosystem sich erholt hat.»

Bevölkerung hat genug

Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt die NGO Tema, die Bodenerosion bekämpft. Ihr zufolge sind auf 204 Hektar bisher 195'000 Bäume gerodet worden. Einige Pflanzen- und Tierarten kämen nur dort vor.

Tolunay warnt, dass der Abbau von Rohstoffen in der Türkei in den vergangenen zehn Jahren stark zugenommen habe. In der Gegend um Canakkale allein hätten fast dreissig Firmen Pläne für Bergbauprojekte. Einige hätten bereits begonnen. Die Bevölkerung wisse um die Risiken. Die Waldrodung bei Kirazli sei der Tropfen gewesen, der das Fass zum Überlaufen gebracht habe. Deshalb protestierten die Menschen nun.

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