21.07.2017 08:02
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Europäischer Milchmarkt
«Ramschverkäufe von Milchpulver»
Scharfe Kritik am jüngsten Verkauf von Magermilchpulver aus der öffentlichen Intervention hat das European Milk Board (EMB) geübt. Die EU Kommission habe am 20. Juni 100 t Magermilchpulver zu einem Preis von 185 Euro/100 kg (204 Fr.) bewilligt.

Diese Verkäufe unter Wert beeinträchtigten den europäischen und internationalen Milchmarkt, monierte der EMB am vergangene Woche in Brüssel. Ausserdem widerspreche die EU-Kommission mit diesem Vorgehen ganz klar ihrer Aussage, dass der „Verkauf um jeden Preis“ nie eine Option gewesen sei und dass das Marktgleichgewicht und die Preiserholung wichtigste Ziele blieben.

EMB-Präsident Romuald Schaber bezeichnete den Verkauf als „ein Stoss in den Rücken“ der Milchbauern Europas. Die Milchkäufer könnten so weiterhin auf billiges Pulver spekulieren. Schaber forderte die Kommission auf, das Interventions-Milchpulver nur zu einem „stabilisierenden Preis“ zu verkaufen. Für den EMB-Präsident heisst das für mindestens 335 Euro/100 kg (370 Fr.).

Alternativ könnten neue Absatzwege ins Auge gefasst werden, um die Pulverbestände von rund 350'000 t abzubauen, wie beispielsweise die Verwendung als Tierfutter. „Die Kommission sollte aus den Fehlern der Vergangenheit lernen und endlich begreifen, dass die Intervention den Milchmarkt nicht ausreichend stabilisieren kann“, erklärte Schaber.

In einem Schreiben an EU-Agrarkommissar Phil Hogan warf der EMB dem Iren vor, er signalisiere, indem er den Markt mit derart billigem Milchpulver bediene, wie wenig er letztlich von einer hohen Wertschöpfung und fairen Preisen im Milchsektor halte. Zudem wies der Verband darauf hin, dass „die Ramschverkäufe“ von Magermilchpulver den internationalen Milchmarkt belasteten und man sich bei einer Fortführung dieser Praxis eine rechtliche Prüfung überlegen müsse.

Der Verkauf der 100 t Magermilchpulver aus der Intervention war der erste Zuschlag überhaupt in diesem Kalenderjahr. Gebote waren für 1'340 t eingegangen, wobei die Preisspanne von 138 Euro/t bis 185 Euro/t reichte. Die Kommission akzeptierte nur das höchste Preisgebot. Davor waren zuletzt Mitte Dezember 40 t Magermilchpulver für einen Mindestpreis von 215,10 Euro/100 kg (238 Fr.) aus der Intervention freigegeben worden.

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