13.10.2020 07:34
Quelle: schweizerbauer.ch - aiz
EU
Regenwald-Rodung: Sojaimporteure sollen haften
Das Europaparlament erhöht den Druck auf die Importeure von Soja aus Südamerika und verabschiedete eine Erklärung zum Schutz des Regenwaldes.

Nach Meinung der EU-Abgeordneten führt der weltweite Handel mit Soja, Rindfleisch und Palmöl zu einer Abholzung von Urwäldern.

Freiwilligkeit brachte wenig

Ein Klimaschutz ist nach Ansicht des Europaparlaments deshalb nicht möglich, ohne die Agrarimporte der EU von der Rodung der Wälder abzukoppeln. Eine freiwillige Zertifizierung habe bisher nur wenig gebracht, halten die EU-Abgeordneten in ihrer Erklärung fest. Obwohl zahlreiche Firmen abholzungsfreie Ware in ihr Angebot aufgenommen hätten, werde der Verlust an Regenwald nicht gestoppt.

Das Europäische Parlament misstraut den freiwilligen Initiativen und möchte stattdessen die Sojahändler in die Haftung nehmen. Kann ein Händler die sichere Herkunft nicht belegen, drohen ihm Strafen. So fordert es zumindest der Umweltausschuss des Europaparlaments, der vergangene Woche mit großer Mehrheit einen Bericht zum Stopp der Regenwaldabholzung verabschiedete. 

Neue Vorschriften in Sicht

Die Erklärung des Europäischen Parlaments hat allerdings keine gesetzgeberische Wirkung. Aber neue Vorschriften der EU sind bereits in Sicht. Für den Sommer 2021 kündigt die EU-Kommission einen Vorschlag für eine EU-Regenwaldverordnung an. Darin spielen die Rückverfolgbarkeit und das Monitoring von Agrarimporten aus Risikogebieten ebenfalls eine Rolle. Inwieweit Händler in die Pflicht genommen werden und welche Risiken sie mit ihren Importen auf sich nehmen sollen, steht noch nicht fest. 

Fefac verteidigt Importe aus Amazonien 

Dabei gehen die Meinungen auseinander, wie sehr die Sojaimporte aus Brasilien dem Regenwald zusetzen. Soja trägt nach Auffassung des Europäischen Verbandes der Mischfutterhersteller (Fefac) viel weniger zum Abholzen des Regenwaldes bei, als in der öffentlichen Debatte behauptet. Vor allem für das Amazonasgebiet und damit eines der zentralen Regenwaldregionen nimmt Fefac in seiner jetzt vorgestellten "Charta 2030" Soja aus der Schusslinie.

Für Amazonien wurde schon im Jahr 2006 ein Moratorium zum Schutz des Waldes zwischen Händlern, nationalen Verbänden und der regionalen Regierung vereinbart. Seitdem soll Soja in Amazonien kaum noch zur Abholzung beitragen, vermeldet selbst Greenpeace und steht dabei kaum unter Verdacht, die Lage zu beschönigen. Doch unter dem neuen brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro gerät das Moratorium unter Druck. Der Präsident erlaubt den Landwirten frische Rodungsflächen von bis zu 20% ihres Landes. Seitdem das Moratorium über die nationalen Auflagen zum Schutz des Regenwaldes hinausgeht, drohen einige Landwirte mit der Kündigung. 

Problemzone Cerrado 

Die eigentlichen Probleme spielten sich aber nicht in Amazonien, sondern weiter südlich ab, dort wo sich im Cerrado die Savanne an den Regenwald anschliesst. Von dort kommt rund die Hälfte der brasilianischen Sojabohneneinfuhren der EU. In der Savanne des Mato Grosso und der umliegenden Bundesländer werden Bäume gefällt, um zusätzliche Felder zu bekommen. Ein Moratorium gibt es dort nicht, und eine solche Vereinbarung wird in dem aufgeheizten Klima in Brasilien zunehmend unwahrscheinlich. Der Cerrado ist das Risikogebiet für die Abholzung. 

Fefac bemüht sich dort um zertifiziert Ware, wenn das auch ein sehr mühsamer Weg ist. "Unsere Kunden legen immer mehr Wert auf eine sichere Herkunft des Sojaschrots im Mischfutter", erklärte Preben Sunke von Danish Crown auf dem Fefac-Kongress vergangene Woche. Sunke mahnte an, der Europäische Futtermittelverband sollte sich stärker für die abholzungsfreie Ware einsetzen. 

Händler warnen

Cargill, die Deutsche Tiernahrung Cremer und andere Unternehmen haben sich bereits freiwillig dazu verpflichtet, bis 2025 nur noch Soja mit sicheren Herkünften anzubieten. Die Branche ist bereit, sich um die Produktion vor Ort zu kümmern und für eine glaubwürdig Zertifizierung zu sorgen.

Nur warnen Sojahändler und Mischfutterhersteller davor, bei der Haftung für die Importeure den Bogen zu überspannen. Wenn der Gesetzgeber das Risiko von Sojakäufen in Brasilien auf ein nicht mehr kalkulierbares Niveau hebt, müsse die Ware eben aus anderen Ländern bezogen werden, halten die Kritiker dem Europaparlament und der EU-Kommission entgegen. 

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