10.09.2014 15:18
Quelle: schweizerbauer.ch - lid
Fleisch
Rindfleischmarkt wird asiatisch
In den nächsten Jahren wird der globale Rindfleischmarkt besonders von asiatischen Ländern neu aufgemischt. Einerseits erhöht sich Chinas Nachfrage rasant, andererseits produziert Indien zusehends mehr Rindfleisch.

Die seit Jahren stagnierende oder sogar rückläufige Rindfleischproduktion soll in den kommenden Jahren wieder einen Aufschwung erleben, wie das deutsche Agrarmagazin "DLZ" schreibt. Dazu trägt unter anderem die stark ansteigende Nachfrage aus China bei: Während das Land 2011 noch 39'000 Tonnen Rindfleisch importierte, sind es im laufenden Jahr 2014 schon 550'000 Tonnen – eine Erhöhung um das 14-fache.

Indien zweitgrösster Exporteur der Welt

Und bis 2018 werden die Einfuhren sogar auf 1,7 Millionen Tonnen geschätzt. Mögliche Lieferländer sind Australien, Neuseeland, Brasilien und Indien. Denn obwohl China die inländische Produktion mit staatlicher Unterstützung stark steigern will, hat es noch immer grosse Defizite in der Rinderzucht, zum Beispiel in den Haltungs- und Fütterungstechniken oder der Infrastruktur.

Auf der Angebotsseite steigert vor allem Indien die Rindfleischprodukte, die als Nebenprodukt der sich ausweitenden Milchproduktion entstehen. Da der indische Pro-Kopf-Konsum bei jährlich zwei Kilo Rindfleisch tief liegt, wird die Hälfte des Fleisches exportiert. So ist Indien der zweitgrösste Rindfleischexporteur und das aufgrund der niedrigen Erzeugungs- und Vermarktungskosten zu tiefen Preisen (3 Franken pro Kilo). So führte Indien 2010 noch 917'000 Tonnen aus, während es dieses Jahr schätzungsweise bereits 1,9 Millionen Tonnen sein werden.

Würde Indien ausserdem nur 70 Prozent der jährlich rund 1,4 Millionen getöteten männlichen Kälber als Mastrinder weiternutzen, könnte die Produktion jährlich um 1,72 Millionen Tonnen zunehmen.

Komplexer Markt

Da der globale Rindfleischmarkt sehr komplex ist, lässt sich die chinesische Nachfrage nicht einfach mit indischem Angebot decken. Denn auch in anderen Ländern sind Veränderungen im Gang. Die Produktion des grössten Rindfleischerzeugers USA etwa ist noch immer auf Talfahrt und wird die abgestockten Mutterkuhherden erst bis 2017 wieder stabilisiert haben. Ausserdem ist die Inlandnachfrage rückläufig – in den letzten sieben Jahren sank sie um 15 Prozent.

Mit knapp 10 Millionen Tonnen produziert Brasilien hinter den USA am zweitmeisten Rindfleisch. Dank der schwachen Währung Real und der verbesserten Produktivität rechnet das brasilianische Landwirtschaftsministerium mit einem jährlichen Wachstum von 2,25 Prozent, wodurch es die USA vom ersten Rang verdrängen würde.

In Russland hingegen geht die Rindfleischerzeugung aufgrund der rückläufigen Milchwirtschaft und dem stagnierenden Inlandkonsum zurück. Seit der verhängten Importsperre jedoch will Russland den Selbstversorgungsgrad auch beim Rindfleisch mittels staatlicher Hilfe wieder erhöhen, schreibt "DLZ".

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