2.03.2014 18:50
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Ukraine
Russland droht mit Kampfeinsatz auf der Krim - Westen tief besorgt
Mit der Androhung eines Kampfeinsatzes auf der Krim hat Russland die schwerste Krise im Verhältnis zum Westen seit Ende des Kalten Krieges heraufbeschworen. US-Präsident Barack Obama drohte, Kremlchef Wladimir Putin werde eine Invasion der Ukraine «teuer zu stehen kommen».

Das Parlament in Moskau hatte am Samstag einstimmig den Weg für einen Militäreinsatz in der Ukraine bereitet und dies mit dem Schutz der russischen Bevölkerung begründet. Russisch sprechende Milizen übernahmen am Wochenende die Kontrolle über die zur Ukraine gehörende Schwarzmeer-Halbinsel.

Ukraine versetzt Streitkräfte in Kampfbereitschaft

Putin habe nun alle Vollmachten, um einzuschreiten, teilte der Kreml mit. Die neue, prowestliche Regierung in der Ukraine wertete das Vorgehen Russlands als «militärische Aggression» und warf dem Kreml vor, die Krim besetzen zu wollen.

Als Reaktion auf den russischen Parlamentsbeschluss versetzte die Ukraine ihre Streitkräfte in volle Kampfbereitschaft und mobilisierte am Sonntag alle Reservisten. Russland habe für einen «Akt der Aggression» keine Grundlage, sagte Interimspräsident Alexander Turtschinow. Die ukrainische Regierung bat die NATO um militärischen Beistand. Nachbarland und bittet die Nato um militärischen Beistand. «Wir stehen am Rande einer Katastrophe», sagte der amtierende Ministerpräsident Arseni Jazenjuk.

USA droht mit Russlands Ausschluss aus G8

Das russische Vorgehen auf der Krim sorgte international für grosse Besorgnis. US-Aussenminister John Kerry drohte Russland mit Sanktionen und warnte, Russland könnte aus dem Kreis der G8-Industriestaaten ausgeschlossen werden.

Die USA, Kanada, Grossbritannien und Frankreich setzten ihre Teilnahme an Konferenzen zur Vorbereitung des G-8-Treffens im russischen Sotschi aus. Das teilte das Weisse Haus nach einem 90-minütigen Telefonat zwischen Obama und Putin am Samstag mit.

In Brüssel kam der NATO-Rat in einer ausserordentlichen Sitzung über die Lage in der Ukraine zusammen. Die russische Militäraktion bedroht nach Ansicht von NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen «den Frieden und die Sicherheit in Europa». «Was Russland derzeit in der Ukraine tut, verstösst gegen die Prinzipien der UNO-Charta», fügte er hinzu.

Putin wartet mit Marschbefehl

Russlands Präsident Putin wollte nach Kremlangaben seinen Befehl zum Militäreinsatz von der weiteren Lage auf der Krim abhängig machen. Dort blieb die Lage am Sonntag angespannt, aber ruhig. Die russischen Streitkräfte brachten nach ukrainischen Angaben mehrere tausend Soldaten auf die Krim, wo Moskau seit über 200 Jahren die Schwarzmeerflotte in Sewastopol unterhält.

Die Krim-Regierung hatte Russland um Schutz vor gewaltbereiten ukrainischen Nationalisten und Extremisten angerufen. In mehreren Städten der Schwarzmeer-Halbinsel demonstrierten Menschen gegen die Regierung in Kiew. Auch ausserhalb der Krim gab es Proteste: So wurden in Charkow bei Zusammenstössen nach russischen Medienberichten mehr als 100 Menschen verletzt.

Russische Pässe für Deserteure

Russische Soldaten umstellten am Sonntag einen Stützpunkt der ukrainischen Armee und forderten Soldaten zum Überlaufen auf. Das russische Konsulat auf der Krim stellte Pässe für ukrainische Sicherheitskräfte aus.

Die Krim soll nach Vorstellung der neuen prorussischen Führung künftig als eigener Staat existieren. Das teilte Krim-Parlamentschef Wladimir Konstantinow in Simferopol mit. Bei einem für den 30. März geplanten Referendum sollen die mehrheitlich russischsprachigen Krim-Bewohner demnach über eine Abspaltung von der Ukraine entscheiden.

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE