17.05.2019 12:12
Quelle: schweizerbauer.ch - dpa/blu
Deutschland
Spargelbauern schlagen Alarm
Spargel ist ein durchaus anspruchsvolles Gewächs und muss von Hand geerntet werden. Doch viele frühere Erntehelfer aus Osteuropa arbeiten inzwischen lieber wieder in ihrer Heimat. Deutsche Spargelbauern schlagen Alarm und warnen vor Flächenverlust.

Die deutschen Spargelbauern kämpfen damit, genug Erntehelfer zu finden. Für das mühsame Stechen per Hand lassen sich kaum noch Arbeitskräfte auftreiben. Denn Saisonkräfte, die oft aus Osteuropa kommen, finden inzwischen auch in ihrer Heimat genug Jobs.

Ausserhalb der EU suchen

"Die Lage ist dieses Jahr denkbar schlecht", sagt Miriam Adel vom Spargel-Erzeugerverband Franken. In Bayern habe man viele Erntehelfer erst kurz vor Saisonbeginn gefunden. "In den letzten fünf Jahren wurde es immer schwieriger, Erntehelfer zu bekommen", sagte Adel. Vor allem die Zahl der Arbeiter aus Polen sei stark gefallen. "Bis vor zehn Jahren waren fast ausschliesslich Polen im bayerischen Spargelanbau beschäftigt. Heute sind sie fast eine Seltenheit."

Hans Lehar, Geschäftsführer der Bruchsaler Obst- und Gemüse-Absatzgenossenschaft Nordbaden (OGA), macht ähnliche Erfahrungen. Aus Osteuropa kämen weniger Helfer, weil viele Arbeit in ihrer Heimat hätten. Er kenne Unternehmen, bei denen zugesagte Erntehelfer nicht erschienen seien. Viele Herkunftsländer bieten immer mehr eigene Arbeitsplätze, in Rumänien etwa die Autozulieferindustrie. Künftig werde man verstärkt in Ländern ausserhalb der EU suchen müssen. "Landwirtschaft und Politik werden nicht umhin kommen, da Wege zu finden."

Bauern warnen vor Verschwinden von Anbauflächen

Ein Problem sei auch der Mindestlohn, meint Lehar. Die Lohnkostensteigerungen seien bei den Erlösen nicht zu kompensieren. "Wir bekommen nicht 40 oder 50 Prozent höhere Preise am Markt." Das gehe zulasten der Betriebe. Bei Konkurrenten in Portugal oder Spanien sei der Mindestlohn deutlich niedriger.

Die Anbaufläche in Deutschland könnte in den kommenden Jahren wegen des Mindestlohns und des Mangels an Erntehelfern deutlich schrumpfen, glaubt Lehar. "Ich rechne damit, dass etwa ein Drittel der Fläche abgebaut wird." Auch der Landesbauernverband Baden-Württemberg und der Verband Süddeutscher Spargel- und Erdbeeranbauer hatten davor gewarnt, Anbauflächen könnten verschwinden.

Die Bundesagentur für Arbeit steht im Kontakt mit anderen Ländern, um mehr Saisonarbeitskräfte zu gewinnen. "Anfang 2019 haben erste konkrete bilaterale Gespräche mit den ausländischen Arbeitsverwaltungen für entsprechende Vereinbarungen begonnen", sagt eine Sprecherin. Dafür müssten aber viele Fragen geklärt werden. Das brauche Zeit.

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