28.07.2014 09:30
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
EU
Steinobstkrise: EU wartet noch ab
Die Europäische Kommission sieht bislang keinen Bedarf für die Gewährung von Krisenhilfen an südeuropäische Steinobstproduzenten. Im zuständigen Verwaltungsausschuss erklärte die Behörde vergangene Woche, dass sie die Marktentwicklung genau beobachte und auch neue Informationen aus den betroffenen Mitgliedstaaten analysiere.

Dem Wunsch der Südländer nach Sonderbeihilfen entsprach sie jedoch noch nicht. Der italienische Landwirtschaftsminister Maurizio Martina hatte Mitte Juli gemeinsam mit seinen Amtskollegen aus Spanien und Griechenland bei der Kommission um Hilfen für Pfirsich- und Nektarinenerzeuger gebeten. Sie berichteten von einem dramatischen Preisverfall während der vergangenen Wochen.

Gute Witterung

Nach Darstellung dieser Mitgliedstaaten ist an der schlechten Marktlage keine Überproduktion schuld, sondern die gute Witterung während des ersten Halbjahres. Dadurch hätten sich die Ernten in den verschiedenen Anbaugebieten überschnitten. Hinzu kämen die Unsicherheit über die russischen und ukrainischen Exportmärkte sowie eine geringe Nachfrage innerhalb der EU.

Das italienische Landwirtschaftsministerium fordert grünes Licht für bezuschusste Marktrücknahmen oder Beihilfen für die private Lagerhaltung. Zuvor hatten sich Bauernverbände und Fruchthändler an Minister Martina gewandt und neben nationalen Massnahmen auch um den Schritt nach Brüssel gebeten.

Produzentenpreis absolut unzureichend

Claudio Valente, der Präsident des italienischen Landwirtschaftsverbandes der Familienbetriebe (Coldiretti) für die Provinz Verona, monierte, Produzentenpreise von bis zu 20 Cent/kg (25 Rp./kg)  seien absolut unzureichend. Der durchschnittliche Preis für einen Espresso entspreche beispielsweise dem von 5,5 kg Pfirsichen. Ein Bier erhalte man für 20 kg Früchte. Mit ausserordentlichen Rücknahmen sollten Markt und Preise zumindest für die letzten zwei Monate der Saison wiederbelebt werden, so Valente.

Langfristig schlägt der Präsident von Coldiretti Verona unter anderem vor, Sortenumstellungen zu fördern, das Rabattsystem im Lebensmitteleinzelhandel zu regeln, Krisenfonds und Risikoversicherungen einzurichten sowie leicht verderbliche Früchte von der Selbstbedienungsabteilung des Handels auszuschließen. Für diese Massnahmen sieht Valente die italienische Regierung in der Pflicht.

Export vor allem nach Deutschland

Italien ist laut Daten des Dienstleistungszentrums für Obst- und Gemüsebau (CSO) der grösste Produzent von Pfirsichen und Nektarinen in Europa, gefolgt von Spanien. Im vergangenen Jahr wurden in Italien etwa 1,5 Mio. t geerntet. Zentren befinden sich im Süden und im Norden des Landes. Die Anbauflächen sind jedoch vor allem im Norden rückläufig. Laut Angaben des italienischen Statistikamtes (Istat) verringerte sich die Fläche vom Jahr 2000 bis 2010 insgesamt um 20 Prozent auf rund 48'000 ha Pfirsich- und etwa 20'000 ha Nektarinenplantagen.

Bedingt durch die Sorten und die Witterung fällt der absolute Erntehöhepunkt auf Ende Juni bis Anfang Juli. Dabei kommt es immer wieder zur Überlappung der Angebotsspitzen der südlichen und nördlichen Regionen. Etwa die Hälfte der Exporte geht nach Deutschland, wo die Lieferungen allerdings mit spanischer und französischer Ware konkurrieren.

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