5.04.2018 08:40
Quelle: schweizerbauer.ch - sda/blu
Handelsstreit
Strafzölle: Farmer alarmiert
Der Handelskonflikt zwischen den USA und China spitzt sich weiter zu. Als Antwort auf von Washington angekündigte massive Strafzölle fuhr Peking am Mittwoch ebenfalls schweres Geschütz auf. Farmer in den USA sind besorgt.

Das chinesische Handelsministerium veröffentlichte eine Liste zahlreicher US-Produkte, die mit Strafzöllen belegt werden sollen. Darunter sind Sojabohnen, kleinere Flugzeuge und Autos.

China offen für Gespräche


Der Sprecher des chinesischen Aussenministeriums, Geng Shuang, sagte: «Jeglicher Versuch, China durch Drohung oder Einschüchterung in die Knie zu zwingen, ist zum Scheitern verurteilt.» Peking bleibe aber offen für Verhandlungen.

US-Handelsminister Wilbur Ross äusserte seinerseits die Erwartung, dass die derzeitigen Handelsstreitigkeiten mit Peking in Verhandlungen münden würden. «Es wäre nicht überraschend, wenn unter dem Strich irgendeine Art von Verhandlung herauskäme», sagte Ross im US-Sender CNBC.

Nur wenig Waren betroffen

Auf die von China angekündigten Strafzölle reagierte Ross mit demonstrativer Gelassenheit. Diese beträfen lediglich Waren im Wert von 0,3 Prozent des Bruttoinlandprodukts (BIP) der USA, was «kaum lebensbedrohlich» sei. Auch seien diese Strafzölle «relativ proportional» zu jenen, die zuvor von den USA angekündigt worden waren.

Das chinesische Handelsministerium hatte 106 US-Produktgruppen aufgelistet, deren Importwert sich auf jährlich 50 Milliarden Dollar (41 Milliarden Euro) summiert. Auf diese Produkte sollen Zölle in Höhe von 25 Prozent gelten. Einen genauen Zeitpunkt für die Einführung der Abgaben will das Ministerium aber erst später bekanntgeben.

50 Milliarden Dollar

Der Gesamtwert der von diesen Strafzöllen betroffenen US-Importe entspricht jenem in der nur wenige Stunden zuvor von Washington präsentierten Liste mit neuen Einfuhrtarifen auf chinesische Produkte. Die Liste umfasse 1300 Importwaren im Wert von «schätzungsweise 50 Milliarden Dollar», erklärte das Büro des US-Handelsbeauftragten Robert Lighthizer. Die US-Regierung will China damit für mutmasslichen Diebstahl geistigen Eigentums bestrafen. Die Liste muss aber noch einem 30-tägigen Prüfprozess unterzogen werden.

US-Präsident Donald Trump bestritt unterdessen, dass sich die beiden grössten Volkswirtschaften der Welt in einem Handelskrieg befänden. «Wir sind nicht in einem Handelskrieg mit China», schrieb Trump im Kurzbotschaftendienst Twitter. Diesen Krieg hätten die USA schon «vor vielen Jahren verloren». Die Schuld schrieb Trump früheren US-Regierungen zu - den «dummen oder inkompetenten Leuten, die die Vereinigten Staaten vertreten haben».

Von den anvisierten US-Strafzöllen sollen etwa chinesische Elektronikartikel, Flugzeugteile, Medikamente und Maschinen betroffen sein. Die als Replik angekündigten chinesischen Zölle betreffen neben Autos, Sojabohnen und kleineren Flugzeugen von bis zu 45 Tonnen etwa auch chemische Produkte, Whiskey, Zigaretten und Tiefkühlrindfleisch.

Alarmierte Sojafarmer

Während Boeing als Hersteller grosser Flugzeuge verschont bleibt, sind vor allem bei Soja - das vornehmlich aus tendenziell Trump-freundlichen US-Bundesstaaten stammt - die Auswirkungen der angekündigten Zölle beträchtlich. China kaufte 2017 Sojabohnen im Wert von 14 Milliarden Dollar aus den USA. Rund ein Drittel aller US-Sojabohnenexporte geht nach China.

Die US-Sojabohnenfarmer reagierten denn auch alarmiert. Diese chinesischen Zölle «werden einen verheerenden Effekt für jeden Sojabohnenfarmer in Amerika haben», erklärte die American Soybean Association. Der Verband appellierte an die US-Regierung, «die Zölle zurückzuziehen, die diese Vergeltung ausgelöst haben».

China für Bauern wichtiger Markt

Auch die Schweinebauern sind wegen der Zöklle in Sorge. «Höhere Zölle auf unsere Exporte werden unseren Produzenten schaden und die ländliche Wirtschaft untergraben», machte Jim Heimerl, Präsident der Schweineproduzenten, deutlich. Es gäbe nur Verlierer, allen voran die Bauern und die Konsumenten, fährt er fort. 

«Wir erwarten, dass alle Länder Handelsstreitigkeiten auf eine Weise lösen, die Unternehmen, Landwirten und Konsumenten nicht schaden», appelliert Heimerl an die Regierungen in Washington und Peking. China ist für US-Schweinefleisch der drittwichtigste Exportmarkt. Von den 2,45 Mio. t Schweinefleischprodukten, die die USA 2017 exportierten, wurden 309’000 t nach China geliefert. Beim Exportwert steht die Volksrepublik mit 663 Mio. USD an vierter Stelle.

Mit Stahl und Alu fing es an

Der Handelsstreit zwischen den USA und China hatte sich in den vergangenen Wochen hochgeschaukelt. Im März hatte Trump Strafzölle auf Stahl und Aluminium verhängt. Sie wurden später für die EU sowie mehrere andere Staaten vorläufig ausgesetzt - nicht aber für China, das den Weltmarkt mit Billigmetallen überschwemmt.

Als Reaktion auf diese Zölle verkündete Peking kürzlich noch vergleichsweise gemässigte Strafzölle auf US-Produkte im Wert von rund drei Milliarden Dollar. Mit den jetzt von beiden Seiten angekündigten umfassenden Strafzöllen erreichte der Konflikt eine neue Dimension.

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